10 Pfennig
Wird jetzt nur noch I X >m Jahr« gemocht. aber
grünbllch — alte }lummcni 5 Pfennig billiger —
Ädonneiile» ISnncn nur noch jung« MSdcll werden,
Alt« Schraubrn-Alionnentinnen find jetzt grade
genug da.
Kaziürnfreie
Trltorver
Inserate, je vermanjchler je Ueber, »serdca nur
noch pfundiveife angenommen; jede unnütz« Qualfcherct
ersuchen wir zu unterlassen. — preise werde» auSg-tnobe»
durch .langen Leknrich".
Rote
üben
Umnmer
Lokal - zentralisiertes Organ der konservativ-revolutionären Lronkrach-Archistett
St-gltt,. d-n SS. Znli 1905
Zur Beachtung k
Mehrere unserer Abonnenten find bedauerlicherweis«
in ihrer Schulbildung soweit zurückgeblieben,
daß sie ans den Zeilen unserer Zeitung etwas ganz
anderes herauslesen, als wirtlich darin steht. Dieser
Umstand hat nun dazu beigetragen, daß einige von
unseren Leser», die sich ganz besonders getroffen
fühlten, so in Apfrcgnng geriete«, daß sie in
schonungsloser Weise eine Um- und Verarbeitung
unserer Redakteure mittelst Fäusten, Knüppel», Viergläsern,
Stuhl- und Tischbeinen vornähme». Noch
vor wenigen Tagen konnte man einen unserer
Redaklionskollcgcn mit dem 'rechten Arm in der
Binde umherlaufen sehen.
Llm nun ähnlichen liebenswürdigen Angriffen
».'.iS dem Wege zu gehen und nicht !» die Lage
verseht zu werden, von den» Recht« der Notwehr
Gebrauch zu machen, haben wir Beranlassung genvmmen,
unsere RcdaktionSrkiume zu verlege».
Dieselben befinde» sich vom hcii.uacn Tag« ab
bis auf weiteres 13,7 Meter unter der Erdoberfläche,
unweit des ttcbcrgangcö vom Festplay zur
Festwiese. Der Eingang zu diese» unterirdischen
Räumlichkeiten ist mir Strauch und grünem Nase»
bedeckt und nur bei» Mitgliedern unserer Redaktion
bekannt.
Wir richte» deshalb hiermit das Ersuchen an
einen jede», der de» Ueberaang passiert, recht vorsichtig
zu sein und nicht durch zu weites Abschwenken
feinem sicheren Ttnrze mit daraufsolgenden» Tode
enigegenzugehen.'
gchhlion und gering der „ttttnur gelt gäben“.
Befehl J Es wird hiermit den Lesefrihen der
ehemaligen - „KreiS-Rübc" kund getan, daß diese
Zeitung von seht an den Namen „Rote Rüben"
trägt, da frühere besagte „KreiS-Rübc" einen also
spottschlcchken Charakter trug, daß eS für unseren
KrelS, der durch dir Roten schon so verbumfiedelt
worden ist, eine'wahre Affenschande gewesen ist.
Wir werden hinfilro jede Schandtat und Verhonepipelung
mit Feuer, Schwefel unb Rhabarber
zu rächen wissen, eventuell durch eine gepanzerte
Backpfeife. Der Landgraf!
Bekanntmachungen. Da i» unserm „Brudervaicrlande",
dem heiligen Rußland, di« nötige
Ordnung und Llntcrtanentreue direkt vermanscht
worden ist, und zwar von janz geruchlose» Menschen,
die sich den Rainen „Rammulukionüre" zugelegt
haben, ist cs an der Zeit, daß wir darum unsere
Sozis etwas auf die frechen Fingern klopfen, noch
mehr aber auf ihr Rlesenmaul. Wir geruhen somit
zu bestimmen, daß vom 24. Juli ab jede Muddclci
unserer Kreisuntertancn mit den Sozis aufzuhören
hat. Sämtliche Klosetts sind streng zu beobachten,
ob sich dort Zeitungen oder sonstiges rote Geschreibsel
vorfindet. Bei Äorfindung derartiger gefährlicher
Sachen ist das Klosett sofort polizeilich zu schließen
und Anzeige zu erstatten. I starkes Aufgebot von
kosakcnähnuchen Grndärmen steht immer zur Verfügung,
unter dem schneidigen Kommando des
Laiidgendärmclandabends - Abgeordneten Lämmer.
ES ist geradezu eine Kreiswohltätigkeitsbestrebuna.
wenn so eine Portion dreister, elender, infamer,
vaterlandSlosrr Rotbuben um die Ecke gebrach:
werden.
Zu der goldigen Lochzeit dcS Kronprinzen von
Teltow-Nudelburg und seinem Weibe, der allerdurchlvchtigsten
Prinzessin Coronna-Astewiy, soll zu
deni LochzeitSgesthenk — eine goldene Bratpfanne
mit Musik »nö Räder — noch viel Geld gefainmelr
werden. Pumpen könne» wir nischt mehr, da das
Automobil schon genug Geld kostet/ Ich befehle
daher, wenn cs Euch auch schlver fällt, an dem
demnächst erscheinenden Gerichtsvollzieher pro Kopf,,
ob Säugling, ob GrciS, 2,75 Mk. abzuliefern,
widrigenfalls sofort mit voller Wucht zur Pfändung
geschritten wird. Am Lochzcilstagc selbst hat jeder
abwechselnd 2 paar Knobländer und 2 Brödchcn
zu liefern. Ein Llnteroffizler wird zu jedem Familienvater
kommen und feststelle», ob er fingen kam:.
Jeder, der dazu imstande ist, hat dann :n der Kirche
zu erscheinen und zwar in apfelsincnfarbigein Strohhui
Der Löwe von Teltow.
(87. Fortsetzung.)
, Töff! köff! Eine Staubwolke, ein riesiger
Gestank und jumm ist ein entsetzliches Dings vorbei.
Am WaldcSrand« sitzt ein Pärchen. Sie hält ihn
fest umschlungen, und angstvoll tönt ihre Frage:
„Jacki, Lieber, was war denn das?" — „Aber,
Kunigunde, da§ war der Löwe von Teltow und sein
Wüsteittier. Denlv daran: Wüstenkönig ist der
Löwe, - will er 'mal durch Teltow fliegen, - läuft
er nicht nach der Lagune, — um im Grase 'rum zu
kriechen, -- sondern nimmt die große Kanne, -
gießt Benzin aufs Auko-Pfannle - und durchackert
rund und nett - Teltow wie, so 'n Brautnachtsbett."
— „Jacki, Geliebter, ich hab' 'ne Idee,
der Löwe muß mir'n Schäferstündchen schenken." -
«Kunigunde,laß dich umarmen, mein Geldbeutel lacht."
Eine Zeitlang hört man nichts wie Knautschen
und Küssen der beiden anständigen Wiesenpieper.
Ein reich ausgestattetes Zimmer. In einem
weichen Plüschsofa ruht der Löwe von Teltow.
Behaglich lauscht er bei wcitgeöffnctcm Fenster dem
Liede der Finken. Da wird ihm ein Telegramm
von einem schmucken Gendarm übergeben. Der Löwe
erbricht cS: „New Bork — Lamburg. Komme zwei
Stunden früher, 5 Ahr nachmittags, Bahnhof
Friedrichstraße. Erkennungszeichen sechs Rosen am
Busen, du fünf Rosen. Deine Nichte Dora." —
Ein Schmunzeln huscht über das Gesicht des Löwen.
Ein herrlicher Nachmittag. Bahnhof Friedrich,
straße, 5 Uhr. Ein hochfeines Automobil steht vor
dem Bahnhof. Mir blitzenden Augen hält der Löwe
Ausschau. Da naht sich ein wunderhübsches Kind,
sechs Rosen am Gürtel. Sck)vn von weitem ein
eleganter Knix und „Guten Tag, OnkelchenI"
Schmunzelnd hilft sie der Löwe ins Auto, »achdem
durch einige Küsse die Nichte als solche festgestellt
worden war.
An der Bordschwelle steht ein elegant gekleideter
Lcrr mit zwei riesigen Koffern. „Onkclchen," flötet
die unwiderstehliche Nichte, „selbstverständlich fährst
ou nicht, ich habe meinen Chauffeur mitgebracht".
Eigentlich nicht recht damit einverstanden, aber
widerstandslos dem süßen Gesiötc gegenüber Überläßt
der Löwe dem Chauffeur die Führung.
Fort gebt cS in flottem Tempo nach der Wegbeschreibung
deS Löwen.
„Doris, ich muß dir doch verschiedene Sehenswürdigkeiten
zeigen, «he du dein vorläufiges Leim
betrittst." — „Du hast rech«, Onkelchen, liebes, liebeö
Onlelchen, ich trink'auch gar zu gern euer echtes Bier."
Das war silr unsern Löwen eine schmeichelnde
Anerkennung und noch dazu aus Fraueumund. In
aufgeräumtester Stimmung ging es durch di« Preußenkneipe,
Räuberhöhle, Blumensäl«, Cafä Keck,Baucnischänke,
Nachtasyl und endlich Dressel, separates
Ziininer. Ach, eine herrliche Richte war es doch,
ein Slaatsmädcl, so frei und ungebunden. Er konnte
sich gar nicht satt «rissen, und wieder und immer
wieder hielt sie ihm ihr Mündchen bin. Er erzählte
ihr u. a., wie schrecklich schwer cS ihm gefallen, ein
Auto zu erlangen, ivie man das Geld durchaus
nicht bewilligen wollte. Nur seiner größten Beredsamkeit
gelang es. nur mit dem LimveiS auf Kultur
und den dringende» Fortschritt die Summe flüssig
zu machen. (Liner Flasche Sekt nach der andern
wurde der LalS gebrochen, bis eben Onkclchen in
den Armen der Nichte leg, scelig, hochbeglückt.
Von Zeit zu Zeit entfuhr cs ihm seufzend:
„Wenn bloß die Olle nischt erfährt!" Doch ein
kräftiger Kuß schloß ihm stets den Mund. So hatte
sich der Löwe noch nie amüsiert. Endlich mußte
man an den Leimweg denken. Doch der Löwe allein
konnte nicht mehr richtig vorwärts; so half denn
der Chauffeur in liebenswürdiger Weis« Onkelchen
in die Kutsche bringen. Dann ging cS fort in
sausendem Trabe nach Teltow.
MorgcnS 7 !lhr. Zn Teltow steht vor einem
feinen Lause ein« geschloffene Droschke. „Luk — ju,
kleine Dora". löut cS auS dein Innern heraus, „huck
— ju, kleine süße -- huck — ju." — Endlich gelmgt
es dem Droschkenkutscher, de» Löwen hcrauSzubekommen.
Durch den Lärm eilen schließlich erschrecken
Madame und Fräulein Nichte, die gestern
drei Stunden später gekomure», herbei. Linker einem
liebevolle» Empfang der Gattin wankt der Löwe «ns
LauS. Am andern Tage hieß cS: der Löwe ist
gesundheitshalber, da er sich ein Bein gebrochen hak,
auf «ine Erholungsreise.
Pfeilgeschwind saust auf staubiger Chaussee em
hochfeines Automobil dahin; darin sitzen — Kum;
gunde und Jacki. Seelenvergnügt klcpperl Jacki
mit dem Kies, und Kunigunde entwirft ein -y-*«-grämn»
an den Löwen: „Basel, Schweiz, ckkacy
herrlicher Fahrt, iin Besitz einer anständigen Summe,
steh« dir, süßes Onkclchen. dein Kr.-AutomoMl w
ctwaS unwohl gewordcneir Zustande auf dem Po -
dainer Glilcrbahnhof zur Verfügung. Tanjeno
Dank, viele Küsse. Dein« Doris."
(Fortsetzung folgt.)
73. Titelseite einer humoristischen Festzeitung vom jährlichen Sommerfest
des,Wahlvereins Teltow-Beeskow