Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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weg  zu  beschreiten,  und  wiederholte  die  Betonung  des  Kampfes  für  das
Stimmrecht  der  Frauen.  Den  Schluß  der  Parteikonferenz  bildete  ein  ausführliches ­
  Referat  von  Leo  Arons  über  die  Landtagswahl  in  der
Provinz  Brandenburg,  das  eine  Reihe  von  Leitsätzen  vorschlug,  denen
die  Konferenz  mit  großer  Mehrheit  zustinnnte.
Die  Beschlüsse  des  Dresdener  Parteitags  der  deutschen  Sozialdemokratie ­
  in  bezug  auf  die  Frage  der  Mitarbeiterschaft  und  die
revisionistischen  Tendenzen  sind  bekannt.  Sie  fanden  in  Berlin  in  allen
Wahlkreisen  die  Zustimmung  der  großen  Mehrheit  der  Parteimitglieder.
Zuerst  nahmen  —  am  24.  September  —  die  weiblichen  Parteigenossen  zu
ihnen  Stellung,  die  durchaus  bejahend  ausfiel.  Die  Versammlung  beschloß
weiterhin,  an  Stelle  des  sozialdemokratischen  Frauenwahlvereins  für  die
Reichstagswahl,  der  bis  auf  938  Mitglieder  angewachsen  war,  nunmehr,
nachdem  die  Reichstagswahl  vorüber,  einen  sozialdemokratischen  Frauenwahlverein ­
  für  die  Landtagswahl  treten  zu  lassen.
Am  29.  September  1903  fanden  die  Versammlungen  der  einzelnen  Wahlkreise ­
  Berlins  statt,  in  denen  über  den  Dresdener  Parteitag  Bericht  erstattet  wurde.
Sie  nahmen  meist  einen  noch  erregteren  Verlauf,  als  die  am  Vorabend
des  Parteitags  abgehaltenen  Versammlungen.  Wie  die  Debatten  in  Dresden
einen  weit  heftigeren,  weit  verbitterteren  Charakter  getragen  hatten,  als  man
vorausgesehen  hatte,  so  fiel  nun  auch  ihr  Nachhall  in  Berlin  aus.  Besonders ­
  stürmisch  verliefen  die  Debatten  im  zweiten  Wahlkreis,  wo  August
Bebel  Mitglied  war  und  —  da  mehrere  Versammlungen  stattfinden
mußten  —  wiederholt  zu  längeren,  von  starker  Leidenschaft  erfüllten  Reden
das  Wort  nahm.  Vergiftend  spielte  in  die  Debatten  hinein  die  Rückwirkung
von  Artikeln  Maximilian  Lardens  über  seine  sozialdemokratischen
Mitarbeiter,  in  denen  diese  der  Anwahrhastigkeil  und  aller  möglichen
sonstigen  moralischen  Mängel  geziehen  wurden.  And  um  die  Mißstimmung
in  der  Berliner  Sozialdemokratie  aufs  höchste  zu  steigern,  entspann  sich  im
„Vorwärts",  der  die  Artikel  Lardens  aus  Verlangen  reproduziert  hatte,
im  Anschluß  an  alle  diese  Dinge  eine  endlose  Zeitungsfehde  in  Gestalt  von
Einsendungen,  die  sich  auf  persönliche  Angelegenheiten  bezogen.  Es
herrschte  eine  gegenseitige  Gereiztheit  vor,  die  an  die  schlimmsten  Zeilen
des  Bruderzwistes  zwischen  Lassalleanern  und  Eisenachern  erinnerte.  Die
Agitation  für  die  Landtagswahlen,  die  im  Novenibcr  1903  stattfanden  und
bei  denen  in  Berlin  so  Glänzendes  geleistet  wurde,  trug  viel  dazu  bei,  den
üblen  Eindruck  jener  Streitereien  zu  verwischen,  aber  es  blieb  doch  ein
Rest,  der  noch  lange  nachwirkte.
Im  Jahre  1904  fand  in  Berlin  ein  Kongreß  für  Leimarbeiter  statt,
zu  dem  die  sozialdemokratischen  Frauen  und  Mädchen  am  8.  Februar  in
einer  großen  Versammlung  Stellung  nahmen  und  Delegierte  wählten.
Ebenso  gab  der  im  Juni  1904  in  Berlin  versammelte  und  hauptsächlich
bürgerlichen  Charakter  tragende  Internationale  Frauenkongreß  den
sozialdemokratischen  Frauen  Berlins  Gelegenheit  zu  einer  Kundgebung.
Es  geschah  dies  am  14.  Juni  in  einer  Versammlung,  in  der  Lily  Braun
über  Frauenstimmrecht  und  Sozialdemokratie  referierte.  Am  2.  August
behandelte  eine  große  sozialdemokratische  Versammlung,  die  im  Feenpalast
tagte,  die  Tagesordnung  des  nach  Amsterdam  einberufenen  Internationalen ­
  Sozialistenkongresses.  Man  wünschte  von  ihm  nament-
            
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