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Die Konferenz der Provinz Brandenburg für 1904, auf der eine Verbreitung
der „Fackel" in 166 500 Exemplaren festgestellt wurde, behandelte
fast nur Organisationsfragen und übergab einen längeren Entwurf der
Agitationskommission sowie die zu ihm gestellten Anträge einer aus
26 Kreisvertrauensleutcn bestehenden Kommission mit der Weisung, Schritte
für eine straffere Organisation der Provinz einzuleiten.
Am 13. November fand in Tempelhof bei Berlin im Anschluß an
die Kreiskonfercnz des Wahlkreises Teltow-Beeskow-Charlottenburg die
Generalversammlung des Zentralwahlvereins dieses Kreises statt. Es
konnte festgestellt werden, daß die angeschlossenen Wahlvereine von 32 auf
34, die Mitgliederzahl von 8350 auf 10 112 gestiegen sei Die Kosten
der Landtagswahl in diesem Kreise berechneten sich auf 11 913 Mk. Ein
Antrag Boxheimer, der eine Reihe von immer wiederkehrenden Wünschen
und Anträgen zusammenstellte, die sich auf die Verwaltung und Erscheinungsart
des „Vorwärts" bezogen, ward der Preßkommission überwiesen.
Am 13. Dezember 1904 fanden in allen Wahlkreisen Berlins Versammlungen
statt, die sich mit der Wahl von Delegierten zum ersten
Parteitag der Sozialdemokratie Preußens beschäftigten, und in den
Tagen vom 28. bis 31. Dezember 1904 tagte dieser Kongreß im großen
Saal des Berliner Gewerkschaftshauses, der von der organisierten Sozialdemokratie
Berlins für diesen Zweck aufs beste hergerichtet und mit allem
ausgestattet war, was die Delegierten brauchten. Außerdem wurde zu Ehren
der Delegierten am Abend des ersten Sihungstages ein großer Festkommers
in der „Neuen Welt" und am Nachmittag des dritten Tages eine Sondervorstellung
von Gorkis „Nachtasyl" im „Kleinen Theater" veranstaltet.
Die Berliner Genossen ihrerseits folgten den Verhandlungen des Parteitags,
der von 148 Delegierten mit Mandat und 17 Teilnehmern ohne
Mandat besucht war, mit gespanntestem Interesse. Es standen vier Punkte
auf der Tagesordnung: der Wohnungsgesetzentwurf der preußischen Regierung,
über den LugoÄeimann, der Gesetzentwurf wider den Kontraktbruch
landwirtschaftlicher Arbeiter, über den Artur Stadthagen, der
Schulgesetzentwurf, über den Leo Arons, und das Landtagswahlrecht,
worüber Georg Ledebour referierte, und an jedes der Referate schloß sich
eine Debatte. Bei den ersten drei Punkten war sie fast nur ergänzender
Natur, beim letzten gab es zugleich eine lebhafte Polemik, die sich vornehmlich
darum drehte, ob im Kampf für das allgemeine und gleiche Wahlrecht
in Preußen gewisse Kampfes formen, wie Straßendemonstrationen,
zweckmäßig und durchführbar seien oder nicht. Doch stieß der Gedanke,
gegebenenfalls auf der Straße zu demonstrieren, der in der Diskussion von
Ed. Bernstein-Berlin, Karl Lofmann-Bielefeld, Karl Liebknecht-Berlin
und Paul Löbe-Breslau verfochten wurde, auf starken Widerspruch, und
so wurde von einem Zusatzantrag zur Resolution des Referenten der auf
solche „Massendemonstrationen" abzielende Schlußsatz abgelehnt. Aber
darüber, daß der Kampf mit aller Energie zu führen sei, herrschte natürlich
volle Übereinstimmung. Der Parteitag ward allseitig als ein großer Erfolg
betrachtet, die Referate und die Diskussion hatten den Beweis geliefert,
daß Landeskonferenzen der Sozialdemokratie Preußens unabweisbare Notwendigkeiten
geworden waren, und wenn man auf diesem ersten Parteitag
noch davon absah, eine besondere Landes-Organisation für Preußen zu