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„Vorwärts" vom 26. Oktober veröffentlichten Erklärung gegen sie erhoben
hatten. Die nun folgenden Nummern des „Vorwärts" brachten noch Erklärungen
und Berichtigungen einzelner der Beteiligten, die lediglich die
gereizte Stimmung illustrieren, in der Äußerungen hinüber und herüber,
wie stets bei solchen Konflikten, falsch aufgefaßt oder gedeutet wurden.
Es braucht kaum erst gesagt zu werden, daß diese Vorkommnisse das
größte Aufsehen machten und in den Berliner Parteimitgliedschaften lebhhaft
besprochen wurden. Dabei wendete sich das allgemeine Arteil in der Partei
gegen die sechs entlassenen Redakteure. Daß sie ihre Kollektiv-Kündigung
kurzerhand der Öffentlichkeit übergeben hatten, ward als ein grober Verstoß
gegen die Rücksichten betrachtet, die sie der Partei schuldeten, ja, als ein
verwerflicher Disziplinbruch, der die später gegen sie ergriffenen Maßregeln
rechtfertigte, und in der Tat muß dieser Schritt, so begreiflich er dem
Psychologen ist, als eine arge Verfehlung bezeichnet werden. Von seiten
der Parteiinstanzen ist später festgestellt worden, daß bei ihnen die Absicht
bestand, nach Erledigung der unter ihnen gepflogenen Vorbesprechungen auch
mit den Redakteuren zu konferieren, und daß die Ausführung dieser Absicht
nur durch die Schritte dieser vereitelt worden sei. Soweit wären die
Instanzen denn auch in ihrem Recht gewesen. Es ist aber klar, daß, wenn man
dies den Redakteuren von Anfang an auseinandergesetzt hätte, es bei diesen
schwerlich zu der Erregung gekommen wäre, die sie zu jenem Schritt trieb.
Aber Konflikte dieser Art spielen sich selten ab, ohne daß auf beiden
Seiten Verstöße begangen werden. Sogar die formale Korrektheit kann
dort, wo menschlich-kollegiale Beziehungen in Frage kommen, materielles
Anrecht werden. Für den nicht sehr genau und direkt Anlerrichteten wird
es dann immer schwer sein, ein völlig zutreffendes Arteil über Recht und
Anrecht zu gewinnen. And in dieser Lage befand sich damals die große
Masse der Berliner Parteimitglieder. Daher mochten selbst von denjenigen,
die das Vorgehen gegen die sechs Redakteure für zu scharf hielten,
nur wenige bis zu einem formellen Protest gehen, eben weil man auch das Verhalten
der Redakteure nicht billigen konnte. So blieb es bei einigen ganz vereinzelten
Kundgebungen, wie einer Protestäußerung einer am 29. Oktober
stattgefundenen Generalversammlung des Zentralwahlvercins des Kreises
Teltow - Beeskow - Charlottenburg und einer ähnlichen Erklärung Berliner
Mitglieder des Vereins Arbeiterpresse. Die übergroße Mehrheit der Parteimitglieder
Groß-Berlins bedauerte die Form der Lösung des Konflikts,
nahm aber diese selbst um so eher als unvermeidlich gewordene Tatsache
hin, als ja nun der innere Gegensatz in der Redaktion des „Vorwärts"
gehoben war. Die neueingestellten Redakteure nahmen zu den Parteifragen
die gleiche Stellung ein, wie die zurückgebliebenen. Ein sympathisches
Moment bei dem Konflikt war das offensichtliche Bestreben der beteiligten
Parteiinstanzen, jede ökonomische Schädigung irgendeines der sechs Redakteure
zu vermeiden. Von vornherein handelte es sich eben um eine
rein politische Maßnahme, die nichts von einer Maßregelung an sich
haben sollte. Eine von Georg Gradnauer im Namen der secks ausgeschiedenen
Redakteure im „Vorwärts" vom 10. Dezember 1905 veröffentlichte
Erklärung führt aus, daß es diesen ferngelegen habe und fernliege,
die subjektiv guten Absichten des Parteivorstandes und der Preßkommission
in Zweifel zu stellen.