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13. Karl Kautsky 14. Paul Singer
Deutsche Mitarbeiter des „Vorwärts"
sehnng des Reichstags. Die Freikonservativen, Nationalliberalen und
Antisemiten kamen um zusammen 30 Äl!andate verstärkt in den Reichstag
zurück, die Zentrumspartei verlor 10, die Freisinnspartei 29 Mandate. Die
letztere hatte sich noch vor der Wahl in eine der Militärvorlage
feindliche Mehrheit irnd eine zum Nachgeben in der Militärfrage
geneigte Minderheit — Bamberger, Barth, Rickert, Schräder usw. —
gespalten. Die Mehrheit nahm unter Führung Eugen Richters den
Namen Freisinnige Volkspartei an, die Minderheit nannte sich
Freisinnige Vereinigung. Keine der beiden Gruppen vermochte in der
Lauptwahl einen Abgeordneten aus eigner Kraft durchzubringen, erst
in der Stichwahl erlangte die Freisinnige Volkspartei — damals die
Wafserstiefler genannt — 24, die als Partei der Wadelstrümpfler bezeichnete
Freisinnige Vereinigung 13 Mandate. Der auf den 16. Juli 1893 ein
berufene neue Reichstag bewilligte nun die nach den Vorschlägen des Lerrn
von Luene umgestaltete Militärvorlage und wurde schon am 15. Juli in
die Ferien geschickt, damit er in der Wintersession 1893/94 die durch die
Leeresvermehrung nötig gewordenen neuen Einnahmequellen bewillige. In
diesem Punkt stieß die Regierung aber auf einen etwas kräftigeren Wider
stand. Das von Miquel ausgearbeitete Steuerprogramm wollte den Tabak
in Gestalt einer Fabrikatsteucr jährlich 45 Millionen „bluten" lassen, eine
Weinsteuer sollte 17 Millionen ergeben, teils neue und teils erhöhte
Stempelabgaben sollten 35 Millionen einbringen. Jedoch wurden nach
langem Verhandeln nur eine Börsensteuer und später noch einige der
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