Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

farblosen Charakters, 
manchen Fällen könnte man 
auch sagen charakterloser 
Färbung. Die bloße Tat 
sache, daß ein Verein aus 
Arbeitern zusammengesetzt 
ist, macht ihn noch nicht zum 
Glied der Arbeiterbewegung. 
Indes sind auch fast alle diese 
Vereine hinsichtlich der Mit 
gliederzahl unbedeutend. 
Zn bezug auf die nun 
folgenden Tabellen ist noch 
folgendes zu bemerken. Iin 
Jahre 1894 standen viele 
Fachvereine im Verband der 
Gewerkschaftskommission,für 
die es entweder überhaupt 
noch keinen Zentralverband 
gab oder die der Zentrali 
sation aus irgendeinem 
Grunde noch nicht beitreten 
mochten, es aber später doch 
taten. Bei all diesen Ver 
einen ist in Klammern ver 
merkt: „1894 Verein". Wo 
der Vermerk nicht steht, 
handelt es sich schon 1894 um Ortsabteilungen von Verbänden. Die Ver 
schmelzung von Fachvereinen mit großen Industricverbändcn ist in anderer 
Weise kenntlich gemacht. Ebenso findet man bei vier Vereinen vermerkt, 
daß sie noch 189ö nur erst lokalen Charakter hatten. Berufe, deren Organi 
sationen erst nach 1894 der Gewerkschaftskommission beigetreten sind oder 
erst nach diesem Jahr sich verselbständigt haben, werden in jeder Abteilung 
besonders verzeichnet. 
And nun zum Vergleichsbild. Bemerkt sei hierbei, daß, wo keine be 
sondere Bezeichnung angegeben ist, es sich um die Berliner Ortsstellen der 
jenigen Gewerkschaften handelt, die der Generalkommission der deutschen 
Gewerkschaften angeschlossen sind. 
I. Gruppe: Nahrungs- und Genußmittel. 
Mitglieder in Berlin 
Bei den Verhandlungen, die durch den .Parieivorstand Cffffnlafct find. jmb 
«tmvesend: . 
1. Vartei-Dorstimdr 
L. Bebel, W. Psannkuch, P. Singer. Öt rl|<$. 
2. GewerksHaftökourmisslp«: 
G. Link. tz. «übe, y. Silberschmidt, Wilh. Börner, A. Pansek. JbhN> 
M. Lother. Leo Schmidt, O. Böttcher. H. Kunz«, Rob. ZriSke. 
2. GewerkfchastSkartell: 
Danncnbergrr, Plepenhagen. A. Kleinlein, Earl rhieme, Äar Httüsstk, 
Dt. Be-rndl, Zonny Hinrichsen. I. Uessem. ’<S. Reuter. 91. Kunisch. 
«. Pleiter. 
Die Konferenz wird um !»/- Uhr vom Genossen Psannkuch mit einigen Dili' 
«Heilungen über die Geschäftshandlung in der Sitzung und mit dem Hinweis, daß über 
die Verhandlungen ein Protokoll aufgenommen werden soll, eröffnet. 
AIS Protokollant wird Genosse Slröhlinger In Vorschlag gebracht. Di- 
Ronserenstheilnehmer erklären sich hiermit einverstanden. 
Die Verhandlung einleitend, schildert Psannkuch die Slothwendigkeit der gegen 
seitigen Einigung und führt an, daß schon da« Vorgehen der Unternehmer, d,e sich 
in großen Zentralorganisationen vereinig« haben, .einen engen Zusammenschluß der 
Arbeiter ersordert, da nur durch eine einheitliche Organisation die wirlhschaftlichen 
Interessen der Arbeiterschaft dem Unternehmerthum gegenüber nachdrücklichst vertreten 
werden können. Der Gedanke der Zentralisation sei ja auch auf beiden Seiten vor» 
Handen, so daß eS sich eigentlich mir um di, Form derselben handelt. Die En,. 
Wickelung der Verbände. Redner verweist namentlich aus den Zinnnerer-Verband. 
haben zur Genüge bewiesen, daß die gehegten Befürchtungen, diese Organisationen 
würden die gewerkschaftlich, Bewegung aus ein anderes Gebiet bringen und die 
Arbeiterschaft, von der sozialdemokratischen Partei abwende,^ durchaus nicht eingetroffen 
sind. Dem, Thatsache ist. daß nach wie vor die gewerkschastlrche Bewegmu, mit der 
politischen völlig ein« ist. Der ReutralitätSgedanke, wie er and) eine Zeitlang iw 
Berlin propagir«. und ;»var nicht immer im Sinne derer, von denen er zuerst an 
geregt war. hat auch nicht dazu geführt, de» Geist dezw de» Klassencharakter der 
119. Erste Seite des Protokolls über die 
Einigungs-Verhandlungen
	        
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