Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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mächtiges  Vorgehen  von  der  Berliner  Kommission  abwies,  und,  ohne  den
Brauherren  schwächliche  Zugeständnisse  zu  machen,  dieselben  doch,  falls  es
zum  Kriege  kam,  von  vornherein  ins  Anrecht  sehte.  And  beides  erfüllte  sie
mit  wahrhaft  meisterhaftem  Geschick.  Sie  verbindet  Festigkeit  und  Würde
mit  kluger  Amsicht.  Li  er  ihr  Wortlaut,  der  im  „Vorwärts"  vom  10.  Mai
1894  an  hervorragender  Stelle  mit  erklärender  Einleitung  veröffentlicht  wurde:
An  den  Verein  der  Brauereien  Berlins  und  der  Amgegend,
zu  Länden  des  Vorsitzenden,  Lerrn  Brauereibesitzer  Max  Lappoldt.
„Antwortlich  des  Schreibens  der  vereinigten  Brauereien  Berlins
und  Amgegend  vom  8.  d.  M.  erlauben  wir  uns,  Ihnen  folgendes  mitzuteilen ­
  :
Die  Berliner  Gewerkschaftskommission  steht  dem  Beschlusse  der
Volksversammlung  vom  6.  Mai  in  Rixdorf.  betreffend  den  Boykott
der  Vereinsbrauerei,  vollständig  unbeteiligt  gegenüber.  Dieser  Beschluß
ist  ohne  unser  Zutun  gefaßt  worden.  Wir  haben  bisher  weder  Anlaß
gehabt,  uns  zustimmend  zu  demselben  zu  äußern,  noch  sind  wir  in  der
Lage,  wie  es  in  der  Zuschrift  der  vereinigten  Brauereien  von  uns  verlangt ­
  wird,  denselben  rückgängig  zu  machen.
Die  Berliner  Gewerkschaften,  welche  zu  vertreten  wir  die  Ehre
haben,  haben  bisher  weder  einen  solchen  oder  ähnlichen  Beschluß  gefaßt, ­
  noch  ist  die  Absicht  laut  geworden,  unsererseits  in  gleicher  Weise
vorzugehen.
Wir  haben  den  Ausschluß  der  Böttcher  seitens  einzelner  Brauereien
als  eine  interne  Angelegenheit  der  Beteiligten  betrachtet  und  behandelt,
bei  der  allerdings  unsere  Sympathien  wie  wohl  die  Sympathien  der
gesamten  Arbeiterschaft  auf  seiten  der  gemaßregelten  Arbeiter  stehen.
Ein  Vorschlag  aber,  weiter  zu  gehen,  und  speziell  der,  einen  Boykott
gegen  eine  der  beteiligten  Brauereien  zu  erklären,  ist  weder  von  uns
noch  von  irgendeiner  anderen  Organisation  der  Berliner  Arbeiterschaft
bis  jetzt  in  Erwägung  gezogen  worden.
Indem  wir  unter  solchen  Amständen  das  Verlangen  der  vereinigten
Brauereien,  den  Rixdorser  Boykottbeschluß  rückgängig  zu  machen,  ablehnen ­
  müssen,  da  uns  zu  einem  solchen  Vorgehen  sowohl  die  Legitimation
wie  auch  die  Möglichkeit  des  Erfolges  fehlt,  wollen  wir  nicht  verfehlen,
unserem  Bedauern  darüber  Ausdruck  zu  geben,  daß  seitens  der  vereinigten ­
  Brauereiunternehmer,  ohne  sich  vorher  die  Mühe  zu  machen,
sich  genügend  zu  informieren,  ganz  unbeteiligte  Arbeiter  gemaßregelt
worden  sind  und  noch  weitere  Kreise  derselben  mit  Maßregelung  bedroht ­
  werden.
Indem  wir  uns  der  Äoffnung  hingeben,  daß  nach  vorstehender  Klarstellung ­
  unsererseits  die  vereinigten  Brauereien  von  ihrer  Absicht,  die
Zahl  der  Gemaßregelten  zu  vermehren,  abstehen  werden,  fügen  wir
noch  den  Wunsch  bei,  daß  auch  die  Differenz  mit  den  Böttchern  recht
bald  zu  beiderseitiger  Befriedigung  beigelegt  werden  möge.
Sollte  aber  wider  Erwarten  und  gegen  unseren  Willen  seitens  der
vereinigten  Brauereien  der  in  der  Zuschrift  vom  8.  Mai  angedrohte
Angriff  auf  die  gesamte  Arbeiterschaft  Berlins  inszeniert  werden,  so
sehen  wir  dieser  Eventualität  mit  voller  Seelenruhe  und  in  dem  Bewußtsein
entgegen,  daß  einer  solchen  Provokation  gegenüber  —  an  deren  Möglich,
keil  wir  aber  nicht  glauben  wollen  —  die  Arbeiterschaft  Berlins  ihre
oft  bewährte  Solidarität  aufs  neue  und  in  glänzender  Weise  betätigen
würde.
            
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