Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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In  dem  Bewußtsein,  unsererseits  nichts  getan  zu  haben,  einen  überflüssigen ­
  und  in  seinen  Folgen  unabsehbaren  Streit  heraufzubeschwören,
zeichnet  achtungsvoll
Der  geschästsführende  Ausschuß  der  Berliner  Gewerkschaftskommission.
I.  V.:  Lermann  Faber,  L.,  Rosenstr.  28  v.  I."
In  einer  kurzen  Zusahnotiz  gab  die  Redaktion  des  „Vorwärts"  noch
bekannt,  daß  die  Antwort  im  Einverständnisse  mit  „einer  Anzahl  einflußreicher ­
  und  an  leitender  Stelle  sich  befindender  Genossen  der  sechs  Berliner
Wahlkreise"  erfolgt  sei  und  sagt  weiter:
„Wir  wissen  auch,  daß  die  Mehrzahl  der  organisierten  Genossen
Berlins  keineswegs  die  Neigung  hat,  bei  eventuellen  Differenzen  zwischen
den  Anternehmern  und  den  Arbeitern  im  Brauereigewerbe  stets  mit
dem  Mittel  des  Boykotts  zugunsten  der  Arbeiter  einzugreifen.  Wenn
aber  die  Äerren  Brauereibesitzer,  wie  es  fast  den  Anschein  hat,  ein
solches  Eingreifen  erzwingen  wollen,  dann  teilen  wir  allerdings  auch
die  Meinung  der  Gewerkschaftskommission,  daß  in  diesem  Falle  „die
Arbeiterschaft  Berlins  ihre  oft  bewährte  Solidarität  aufs  Neue  und
zwar  in  glänzender  Weise  betätigen  würde".
Das  war  für  die  Brauereiherren  zugleich  eine  Warnung  und  eine
Brücke  zur  Amkehr.  So  deutlich  wie  nur  möglich  war  ihnen  zu  verstehen
gegeben,  daß  sie  den  Frieden  haben  konnten,  wenn  sie  ihn  haben  wollten,
und  deutlich  war  ihnen  auch  der  Weg  angezeigt,  der  zum  Frieden  führte.
Da  die  Vereinsbrauerei  ihren  Lauptabsatz  nicht  in  Rixdorf,  sondern  in
Berlin  hatte,  war  selbst  der  in  Rixdorf  über  sie  verhängte  Boykott  nicht
durchzuführen,  sobald  die  Berliner  Gewerkschaftskommission,  vor  die  die
Frage  seiner  Ausdehnung  auf  Berlin  gebracht  werden  mußte,  ihn  nicht  zu
dem  ihrigen  machte.
Aber  die  Brauereien  wollten  den  Krieg.  Sie  wollten  den  Arbeitern,
die  ihnen  zu  üppig  geworden  waren,  einmal  den  Lerrn  zeigen.  Die  Vorkommnisse, ­
  mit  deren  Vorführung  ihre  literarischen  Parteigänger  später  in
der  Presse  und  in  Abhandlungen  ihr  Verhalten  zu  rechtfertigen  suchten,
ändern  an  dieser  Tatsache  nichts.  Denn  selbst  angenommen,  daß  alles,
was  unter  anderem  in  der  auf  Veranlassung  des  Brauerrings  abgefaßten
Schrift  von  Emil  Struve:  „Der  Berliner  Bierboykott  von  1894"  in
bezug  auf  ungehöriges  Verhalten  der  Arbeiter  und  einiger  Vertreter  der
Organisationen  erzählt  wird,  den  Tatsachen  entspricht,  so  liefern  die  damaligen ­
  Geschäftsberichte  der  Brauereien  doch  den  Beweis,  daß  deren
Betrieb  unter  jenen  Dingen  unmöglich  nennenswert  gelitten  haben  konnte.
Es  war  die  profitable  Weiterführung  keiner  Brauerei  durch  sie  bedroht,
keiner  einzigen  saß  das  Messer  an  der  Kehle.  Sie  konnten,  was  wirkliche
Angehörigkeiten  waren,  durch  verständiges  Verhandeln  mit  den  Arbeitern
aus  der  Welt  schaffen.
Statt  aber  die  noch  ausstehenden  sechs  Tage  zu  solcher  Verständigung
mit  den  ihnen  wohlbekannten  Vertrauensmännern  der  Arbeiterschaft  Berlins
auszunutzen,  erwirkten  die  Brauereidircktoren  sich  von  ihren  Aufsichtsrätcn
im  voraus  Genehmigung  der  etwa  nötig  werdenden  Kampfmaßregeln.  Dann
hielten  sie  am  15.  Mai  noch  einmal  Rat,  fixierten  die  Zahl  der  zu  entlassenden
Arbeiter  auf  mindestens  zehn  pro  Betrieb,  und  am  16.  Mai  erhielten  über
400  Brauereiarbeiter  mit  der  Erklärung  ihre  Entlassung,  daß  sie  nicht  eher
            
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