Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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gegen  2000  Mitglieder  zählte  und  an  dessen  Spitze  unter  anderen  Paul
Lilpert,  einer  der  Führer  der  Brauergehilfen  und  Mitglied  der  Boykottkommission, ­
  sowie  Fritz  Zubeil  standen,  welch  letzterer  damals  eine  Wirtschaft
betrieb.  Zum  Zweck  der  Durchführung  der  Boykottierung  der  Ringbrauereien
hatte  dieser  Verein  eine  „ZwölferkomMission"  ernannt,  die  sich  namentlich
der  Beschaffung  von  Ersahbier  für  das  Boykottbier  widmete.  Entschieden
auf  die  Seite  der  Brauereien  stellte  sich  dagegen  der  etwa  1300  Mitglieder
umfassende  Verein  der  Berliner  Gastwirte  mit  dem  Gastwirt  Lubertus
Jakobi  an  der  Spitze,  und  etwas  weniger  schroff  nahm  auch  ein  an
2000  Mitglieder  zählender  Verein  Berliner  Weißbierwirte  für  die
Ringbrauereien  Partei,  während  sich  der  etwa  1600  Mitglieder  starke
„Verband  der  Gast-  und  Schankwirte  Berlins"  neutral  stellte.  Von  dieser
letzteren  Verbindung  oder  ihren  Leitern,  den  Gastwirten  Feuerstein  und
Kuckenburg,  gingen  im  Verlauf  des  Boykotts  verschiedene  Vermittlungsversuche ­
  aus.
Als  eigene  Gruppe  nahmen  ferner  eine  größere  Zahl  von  Saalbesitzern
Berlins  in  dem  Kampf  Partei,  und  zwar  gegen  die  Arbeiter.  Ein  Teil
davon  handelte  offenbar  unter  dem  Druck  der  Ringbrauereien,  andere  lechzten
danach,  Verpflichtungen  los  zu  werden,  zu  denen  sie  sich  der  Arbeiterschaft
gegenüber  aus  Furcht  vor  dem  Saalboykott  hatten  verstehen  müssen.  Jetzt
schien  ihnen  die  Zeit  gekommen,  die  Last  abzuschütteln.  Nachdem  schon  am
5.  Juni  eine  Versammlung  von  etwa  170  Saalbesitzern  sich  darüber  geeinigt
hatte,  über  die  sozialistischen  Vereine  und  Gewerkschaften  Saalsperre
zu  verhängen,  wenn  bis  zum  15.  Juni  der  Boykott  nicht  beendet  sei,  ward
der  Beschluß  an  diesem  Tage  erneuert  und  die  Bildung  einesG  arantiefonds
zur  Unterstützung  besonders  geschädigter  Kollegen  beschlossen.  Mehr  als
300  Besitzer  von  Versammlungssälen  aller  Größen  gehörten  schließlich  der
Verbindung  an,  der  sich,  nachdem  am  5.  Juli  der  erste  Vermittlungsversuch
fehlgcschlagen  war,  auch  die  Ringbrauereien  offiziell  anschlossen  und  sich,
außer  zu  Geldbeiträgen,  kontraktlich  verpflichteten,  während  der  Dauer  des
Kampfes  keinem  Saalbesitzer  Ringbier  zu  liefern,  der  fortfahren  sollte,  sein
Lokal  zu  Versammlungen  oder  Festen  der  am  Boykott  beteiligten
Verbindungen  herzugeben.
Solcher  Saalbesitzer  gab  es  nun  auch  noch  eine  ansehnliche  Zahl,  so
daß  schon  am  20.  Juni  die  Lokalkommission  im  „Vorwärts"  eine  Liste  von
nicht  weniger  als  56  Versammlungssälen  bekanntgeben  konnte,  die  der
Arbeiterschaft  nach  wie  vor  zur  Verfügung  stünden,  und  ihre  Zahl  mehrte  sich
später  noch.  Aber  es  war  doch  nur  eine  Minderzahl  von  großen  Sälen
darunter,  sodaß  zeitweisederBedarfderArbeiterschaftnachVersammlungssälen
in  der  Tat  nicht  mehr  hinreichend  gedeckt  war.  Wohl  konnten  am  11.  Juli
gleichzeitig  32  allgemeine  Versammlungen  und  am  27.  Juli  ebenso
39  Gewerkschaftsversammlungen  in  Sachen  des  Boykotts  stattfinden,  indes
zeigten  schon  die  für  den  Gesamtbesuch  angegebenen  Ziffern,  daß  die
Mehrheit  der  Versammlungen  nur  in  Sälen  von  mäßigem  Amfang  hatten
tagen  können.
Einer  auf  den  27.  Juni  vom  Verband  der  Gast-  und  Schankwirte
Berlins  einberufenen  Einigungskonferenz  waren  die  Ringbrauereien  ferngeblieben, ­
  weil  sie  von  der  Kommission  des  Verbandes,  der  die  Verhandlungen
leiten  sollte,  Parteinahme  für  die  Arbeiter  befürchteten.  Dagegen  gingen  sie
            
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