Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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auf  den  Vorschlag  des  Vorsitzenden  am  Berliner  Gewerbegericht,  v.  Schulz,
ein,  vor  diesem  mit  Vertretern  der  Arbeiterschaft  zu  verhandeln.  Doch  führt
diese  Verhandlung,  in  der  die  Ringbrauereien  durch  ihre  Vorsitzenden
M-  Lappoldt  und  R.  Roesicke,  die  Arbeiterschaft  durch  Balduin  Franke
für  die  Gewerkschaftskommission,  Paul  Hilpert  für  die  Brauer,  und,  da
Auer  einen  Arlaub  angetreten  hatte,  durch  Paul  Singer  für  die  politische
Bewegung  vertreten  waren,  zu  keiner  Verständigung.  Die  Ringbrauereien
lehnten  es  nicht  nur  ab,  den  Arbeitsnachweis  der  Brauereiarbeiter
anzuerkennen,  wie  er  nach  der  Aussperrung  von  den  beteiligten  Gewerkschaften
eingerichtet  worden  war,  sie  verweigerten  auch  die  Wiederherstellung  des
Nachweises  in  der  Form,  wie  er  vor  der  Boykotterklärung  bestanden  hatte.
Sonst  bekämen  ja,  so  erklärten  sie,  die  Arbeiter  alles  zurück,  was  sie
vorher  besessen  hätten,  die  Brauereien  aber  keine  Entschädigung  für  die  ihnen
durch  den  Boykott  zugefügten  Verluste.  Mit  anderen  Worten:  die  Arbeiter
sollten  die  Kriegsentschädigung  zahlen.  Darauf  mochten  und  konnten  die
Arbeitervertreter  sich  nicht  einlassen,  und  nach  ziemlich  lebhaften  Auseinandersetzungen ­
  darüber,  wer  den  Krieg  angefangen  habe,  ging  man  unverrichteter
Sache  auseinander.
Der  Krieg  mußte  fortgesetzt  werden,  und  die  Meinung  überwog  auf
seiten  der  Arbeiter,  daß  man  nun  zu  einer  Verschärfung  der  Kriegführung
schreiten  müsse.  Als  solche  erschien  die  Ausdehnung  des  Boykotts  aus
alle  Ringbrauereien,  zumal  die  Aussonderung  der  sieben  früher  genannten
Brauereien  die  anderen  Ringbrauereien  nicht  verhindert  hatte,  mit  jenen
durch  dick  und  dünn  zu  gehen.  Inoffiziell  war  überhaupt  schon  vielfach
auch  gegen  die  übrigen  Ringbrauereien  Boykott  betrieben  worden.  Der
Verein  zur  Wahrung  der  Interessen  der  Gastwirte  hatte  schon  am  22.  Juni
den  Beschluß  gefaßt,  jeden  Gastwirt  auszuschließen,  der  irgendwelches
Ringbier  führe.  Anter  stürmischen  Beifallsbezeugungen  ward  in  allen
32  Versammlungen,  die  am  11.  Juli  stattfanden,  beschlossen,  nun  den
ganzen  Ring  zu  boykottieren,  und  ein  in  anfeuernden  Wendungen  gehaltener
Aufruf  machte  dies  der  Bevölkerung  Berlins  und  der  organisierten  Arbeiterschaft ­
  im  übrigen  Deutschland  bekannt.  Von  nun  an  sollten  sogar  die  Lokale
gemieden  werden,  in  denen  irgendwelches  Ringbier  ausgeschenkt  werde,
Flaschenbier  nur  in  Geschäften  gekauft  werden,  die  kein  Ringbier  verkauften.
„Wir  appellieren",  hieß  es  am  Schluß,  „an  das  Ehrgefühl  aller  klassenbewußten ­
  Arbeiter  und  wissen,  daß  ihre  Solidarität  sich  stärker  erweisen
wird  als  die  Zufallseinigkeit  des  dividendenlüsternen  Anternehmertums."
Mit  dieser  Ausdehnung  des  Boykotts,  so  gab  der  „Vorwärts"  den
Grundgedanken  der  in  den  Versammlungen  gehaltenen  Reden  wieder,  sei
aber  das  Arsenal  der  Arbeiterschaft  noch  nicht  erschöpft;  wenn  es  sich  als
nötig  erweisen  sollte,  würde  sie  „mit  noch  ganz  anderen,  noch  schärfer
wirkenden  Mitteln  dem  Äbermut  der  Bierprotzen  entgegentreten".  And
was  getan  werden  konnte,  das  Wort  zur  Wahrheit  zu  machen,  geschah.
Am  27.  Juli  fanden  39  von  den  Gewerkschaften  veranstaltete  Versammlungen, ­
  am  24.  August  wieder  37  Volksversammlungen  statt,  in  denen  eindringlich ­
  zu  unbeugsamer  Innehaltung  und  unablässiger  Propagierung
des  Boykotts  aufgefordert  wurde,  dazwischen  tagten  große  Frauenversammlungen, ­
  in  denen  den  Frauen  der  Arbeiterklasse  die  Bedeutung  des  Boykotts
auseinandergesetzt  und  seine  Anterstühung  ans  Herz  gelegt  wurde.  And
            
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