Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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viel  mehr  als  10  Prozent  der
beschäftigten  Arbeiter  organisiert ­
  —  auf  die  Dauer  aufbringen ­
  konnten,  ohne  daß
ihre  eigene  Aufgaben  darunter ­
  litten.  Das  gleiche
war  der  Fall  mit  der  Beschränkung ­
  des  Verkehrs
und  der  Versammlungen
aus  die  „ringfreien"  Lokale.
Mit  Eintritt  des  Spätherbstes ­
  war  wirkliche  Lokalnot ­
  zu  gewärtigen.  Lind
dabei  herrschten  trotzdem  bei
einem  großen  Teil  der  sozialistischen ­
  Arbeiterschaft,  die
sich  selbst  den  Llnannehinlichkeiten
  des  Boykotts  mit
wahrhaft  stoischem  Opfermut ­
  unterwarf,  die  weitgehendsten ­
  Vorstellungen
über  die  zunehmende  Verbesserung ­
  seiner  Aussichten.
Llnter  anderem  von  den  am
Boykott  interessierten  Brauereien ­
  und  deren  Agenten
geflissentlich  genährt,  durften
sie  nicht  öffentlich  widerlegt
werden;  es  wäre  Wasser
auf  die  Mühle  der  Ringbrauereien  und  der  Aufgabe,  ihnen  Zugeständnisse ­
  abzuringen,  im  höchsten  Grade  verderblich  gewesen.  Eine  demokratische ­
  Massenpartei  kann  selbst  im  Kampf  ihre  Angelegenheiten  nicht
samt  und  sonders  hinter  verschlossenen  Türen  erledigen,  wie  das  die
paar  Dutzend  Direktoren  der  Ringbrauereien  jederzeit  vermochten.  Diese
letzteren  hatten  im  Kampf  Solidarität  üben  gelernt.  Durch  Vertrag,  den  sie
streng  einhielten,  hatten  sie  für  die  Dauer  des  Boykotts  jede  Konkurrenz
unter  sich  ausgeschlossen  und  ebenso  entschlossen  waren  sie  nun,  der
Kommission  der  Arbeiter  kein  Zugeständnis  zu  machen,  durch  das  sie  vor
ihren  Arbeitern  als  Besiegte  erschienen  wären.  Auer  und  Singer,  neben
denen  bei  dieser  Verhandlung  von  Delegierten  der  Arbeiter  nur  der  Vertreter ­
  der  Braucreiarbeiter  Lilpert  gelegentlich  das  Wort  nahm,  suchten
mit  großem  Geschick  für  die  Arbeiter  zu  erwirken,  was  nur  irgend  den
Brauereien  abzuringen  war.  Sie  ließen  die  Forderung  der  Entschädigung
der  Ausgesperrten  für  den  Lohnverlust,  die  höchstens  der  Sieger  dem
Besiegten  aufdiktieren  konnte,  ganz  fallen  und  die  Forderung  des  1.  Mai
als  Ruhetag,  nachdem  die  Brauereien  sie  entschieden  abgelehnt  hatten,
zunächst  auf  sich  beruhen,  um  desto  zäher  die  grundlegenden  Forderungen
zu  verfechten:  Anerkennung  der  Organisationen  der  Arbeiter,  Verpflichtung
auf  Vereinbarung  eines  Arbeitsnachweises  mit  den  organisierten  Arbeitern  und

-er  v-berschuft  wird  der  B-yllott-Aomniisston  für  di,  aurgrsperrlen
Krauerei-Arbeiter  überwiesen.

164.  Titelblatt  eines  Spottgedichtes  aus  die
Ringbrauereien
            
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