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Verwaltung das verfochten hatten, wofür der Zentralverband draußen in
Wort und Schrift agitierte.
Auch das 1904 zustande gekommene Gesetz über die kaufmännischen
Schiedsgerichte verwirklicht in abgeschwächter Gestalt eine Forderung, für
welche die sozialistischen Handlungsgehilfen lange agitiert hatten. Lind bei
den ersten Wahlen zu dem in Berlin errichteten kaufmännischen Schiedsgericht
gelang es im Jahre 1905 den im Zentralverband organisierten
Gehilfen, von 100 zu erwählenden Beisitzern 21 ihrer Liste durchzubringen,
fast doppelt so viel, als das Verhältnis ihrer Zahl zur Mitgliederzahl
aller übrigen — antisemitischen, liberalen und farblosen — Gehilfenvereine
zusammen ausmacht, die gleichfalls eigene Listen aufgestellt hatten. Das zeigt,
wie populär die Kandidaten des Zentralverbandes in den Reihen derjenigen
Gehilfen waren, die aus irgendwelchen Gründen sich dem Zentralverband
nicht anschließen mochten oder konnten. Aber das Wahlresultat gab vielen
Mut, und in dem einen Jahr von 1904 auf 1905 stieg die Mitgliederzahl
der Berliner Ortsstelle von 794 auf 1524.
Die ganze Zeit hindurch hat der Zentralverband die Agitation für den
Achtuhrladenschluß nicht ruhen lassen. Der Gedanke einer Liga für den
Achtuhrladenschluß, den im Jahre 1897 das Mitglied Berthold Leymann
in der damals noch als freie Vereinigung bestehenden Berliner Ortsstelle zu
verwirklichen versuchte, um die Agitation auf eine möglichst breite Basis
zu stellen, war zwar von der Leitung der Vereinigung als unzweckmäßig
abgewiesen und, da er auch sonst kein genügend starkes Echo fand, wieder
aufgegeben worden. Aber für die Sache selbst ward bei jeder sich bietenden
Gelegenheit in der Presse, in Versammlungen, in Flugschriften und durch
Schritte bei den Behörden gearbeitet, bis sie im Jahre 1908 zu einem
glänzenden Erfolge geführt wurde.
Es liegt im Wesen und den Verhältnissen des kaufmännischen Gewerbes
mit der großen Verschiedenheit der Geschäfte und dem starken Zustrom an
Arbeitskräften begründet, daß allgemeine Lohnbewegungen oder gar Streiks
von Gehilfen bei ihm bisher völlig ausgeschlossen waren und sich die Tätigkeit
der kämpfenden Gehilfenschaft vorwiegend darauf richtete, durch die Gesetzgebung
und Verwaltung Verbesserungen zu erlangen. Aber ganz ohne
Kämpfe der ersteren Art ist die Geschichte der sozialistischen Landlungsgehilfen
Berlins doch nicht, wenn sie sich auch bisher nur in kleinem Rahmen
abgespielt haben. Ein solcher Kampf war die Lohnbewegung der Adressenschreiber
Berlins, die im Jahre 1903 unter Leitung des Verbandes sich
abspielte. Sie führte bei einem der größten der Adressenvcrlage, der Firma
Robert Teßmcr, zu einem Streik von 136 Adressenschreibern, der 21 Tage
dauerte und die Firma nötigte, die jammervolle Bezahlung ihrer Schreiber
wenigstens um etwas zu erhöhen. An die anderen Firmen (Schustermann
mit 150, Otto mit 60 und John mit 30 Schreibern) wurden dann auch Forderungen
gestellt und bei einer davon im Linblick auf den Streik ohne weiteres,
bei den anderen durch Vermittlung der Berliner Verbandsleitcr bewilligt.
Die Kosten des Streiks beliefen sich auf 6542 Mk., von denen 2608 Mk.
durch allgemeine Sammlungen aufgebracht, 1748 Mk. von den Berliner
Gewerkschaften und 1820 Mk. von der Zentralkasse des Verbandes beigesteuert
wurden, 166 Mk. verdienten die Ausständigen selbst durch Adressenschreiben
auf einem improvisierten Bureau.