Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

Drbeiler,  Hanüwerker,  Psririgenossen!
Schon  wiederhab  ist,  '«  Luch  der  Ausruf  ergangen,  davon  abzulassen,  die  gegnerischen  Parteien
dadurch  zu  unterstützen,  dost  Jgr  deren  Zeitungen  haltet.  Indem  Ihr  bei  den  Wahlen  einem  Sozialdemokraten
Eure  Stimme  gebt,  beweist  Ihr,  daß  Ihr  die  Ueberzeugung  habt,  nur.  ein  Sozialdemokrat  kann  wirklich  die
Interessen  den  arbeltenden  Volke»  vertreten.  Wenn  Ihr  diese  Ueberzeugung  aber  habt,  so  ist  e»  Eure  Pflicht,
die  Partei  auch  in  jeder  anderen  Hinsicht  zu  unterstützen,  in  erster  Kinir  jedoch  die  Narteipresse  f«
adonnire«.  Wie  siehst»  nun  aber  damit  au»?  Der  6.  Wahlkrei»  hat  bei  der  letzten  Wahl  SS  Ovo  sozialdemokratische ­
  Stimmen  abgegeben,  und  kaum  der  fünfte  Theil  davon  ist  aus  unftre  Presto  abonnirt.  Da»
must  ander»  werden.  Wir  misten  wohl,  daß  ja  Mancher  durch  die  schlechten  wirtschaftlichen  Verhältnisse
davon  abgehalten  wird,  aber  wie  Viele  sind  nicht  da,  welche  in  vollständigsr  Berkeummg  der  Lage  abonnirt
sind  auf  gegnerische  Zeitungen,  und  so  sich  lind  Ihre»  Interesse  ins  Gesicht  schlage».
Genosse«!  Gerade  die  Ereigniste  der  letzten  Zeit  haben  e»  klar  bewiese»,  dast  wir  »nS  nnr  aus
nn»  selbst  verlassen  können,  daß  keine  andere  Hoffnung  mehr  da  ist,  was  wir  allerdings  schon  oft  gesagt.
Wenn  Ihr  also  eine  Zeitung  abonnirt,  die  die  klaffenden  Klaffengegensätze  durch  Harmonie-Geplärr  zu  vertuschen ­
  sucht,  so  zahlt  Ihr  Euer  Geld,  um  Euch  jeden  Morgen  etwas  sorlügc«  zu  lasten.  Kaun  Euch  da»
Bischen  Klatsch,  da»  in  diesen  Zeitungen  enthalten  ist  —  und  das  den  einen  Tag  erzählt  und  de»  andern
Tag  widerrufen  wird  —,  kann  Euch  da»  dazu  bringen,  di«  fortwährenden  Fußtritts  und  Demüthigungen,
denen  Ihr  im  politischen  Theil  dieser  Zeitungen  ausgesetzt  seid,  rubig  hinzunehmen?
Sollen  sich  unsere  Gegner  denn  noch  imuier  sreue».  daß  sie  es  verstehen,  dem  Volke  Sand  in  die
Bügen  zu  streuen  und  e»  über  die  wahre  Erkenntniß  der  Klastcnlage  hinwegzutäuschen?
Wollt  Ihr  Euch  noch  länger  zum  Spielball  der  Kapitalisten  machen?
Das  könnt  Ihr  nicht  wollen;  dann  macht  aber  auch  einmal  Ernst  und  entfernt  dir  K  lütter
«ms  E-rrem  Kante,  die  wohl  Euer  Geld  haben  wollen,  aber  bei  jeder  Gelegenheit  Euch  verhöhnen
und  verspotten.
Unterstützt  Eure  Preffe,  leset  und  verbreitet  dieselbe,  die  in  dem  Kampfe  für  Euch  und  Erire  Interessen
so  schwere  Opfer  bringen  muß.  Erkennt,  daß  je  größer  die  Zahl  der  Abonnenten  unierer  Zeitungen  ist,  je
größer  auch  die  Mach!  derselben  wird,  und  dast  man  umsoweniger  unsere  geringen  Rechte  zu  beschneiden  wagen
wird,  je  größer  die  Zahl  Derjenigen  ist,  die  für  die  Partei  einzutreten  gewillt  sind.
Wir  rufen  Euch  deshalb  zu:
HeVsrrrs  Mit  derr  gegnerischen  Zeitungen  aus  Eurem
Haushalt!
Der  8.  Kertiaer  Wahlkreis  hat  nun  den  Vertrieb  der  Parleiblätter  in  eigene  Regie  übernommen. ­
  wodurch  es  möglich  ist,  die  Zeitung  pünktlicher  und  regelrechter  zu  besorgen,  wle  seitens  der  Prioatkpediteure.
  Aber  such  dem  Unwesen-  Kinder  in  der  zartesten  Jugend  zum  Austragen  der  Zeitungen  zu
benutzen,  konnten  wir  sofort  ein  Ende  bereiten  und  den  Austrägern  einen  besseren  Lohn  zahlen.  Während
die  Privatspediteure  höchstens  15  Pf.  Botenlohn  pro  Exemplar  zahlen,  geben  wir  20  Ps.  —
Zur  weiteren  Entwickelung  unserer  Presse  bedürfen  wir  aber  der  Hilfe  aller  Arbeiter,  »Nb  falls
dieselben  unsern  Mahnruf  nicht  ungehörl  verhallen  lassen,  werden  wir  in  allernächster  Zeit  mit  ungleich  besseren
Resultaten  hervortreten  können,  zum  Aergerniß  aller  unserer  Gegner.
Wir  geben  nachstehend  die  Filialen  der  Parteiregie  bekannt,  weiche  auch  nach  dem  Umzug  am
l.  Oktober  gültig  sind.  Außerdem  liegen  i»  allen  Lokalen,  wo  sich  Zahlstellen  des  WahlvcreinS  befinden,
Listen  aus  zur  Ausnahme  von  Abonnenten  aus
„Vorwärts",  Berliner  Volksblatr,  Central-Orgtm  der  sozialdemokratischen  Partei  Denischlands.
Monatlich  ftei  in»  Hau»  1,10  Mk.
„Der  Sozialdemokrat",  Central-WochenblaU  der  sozialdemokratischen  Parlei  Denischlands.  Monatlich
frei  ins  Hans  40  Ps.
„Wahre  Jacob".  „Süddeutscher  Postillo«",  „Glühlichter",  sowie  sämmiuch-Parteiliteratur


Filiale  I.
Moabit  bei  Kempek,  Lübeckerstraße  16.
Filiale  II:
Wedding  und  Oranienburger  Borstadt  bei  Siokzenbmg,  Wiesenstr.  14.
Filiale  M-Gesundbrunnen
  und  Rosenthaler  Vorstadt  bei  Haßmann,  Grünthalerstraße
  67  und  WofenLHak.  Granseerstraße  6.
Filiale  IV:
Schönhauser  Vorstadt  bei  Mars,  Kastanien-Allee  96.
Redaktion  Imd  Verla«  von  Frch  Wdschowi«.  »nt-nftr.  17.  —  Druck  von  SS.  Schrtnner,  Brunnens».  164.

25.  Agilationsflugblatt  zur  Verbreitung  der  sozialdemokratischen  Presse  m  Berlin
            
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