Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Verkehrsleben  einfach  nur  Stadtteile  des  letzteren  bilden.  Ihr  Straßennetz ­
  geht  unvermittelt  in  das  Straßennetz  von  Berlin  über.  Charlottenburg
und  Schöneberg  sind  im  wesentlichen  nur  Aussttahlungen  von  Berlin-West,
und  eine  Anzahl  ihrer  Postämter  gehören  auch  demgemäß  zum  Zentralamt
dieses  Stadtteils.  Rixdorf  bildet  die  Verlängerung  des  Südostens,  Boxhagen, ­
  Friedrichsberg,  Rummelsburg  sowie  Lichtenberg  mit  Nebenorten
die  des  Ostens  von  Berlin,  Pankow  und  Reinickendorf  wachsen  mit  den
nördlichen  Stadtteilen  Berlins  zusammen,  und  Weißensee  ist  nur  noch
durch  einen  ganz  schmalen,  sich  immer  mehr  verengernden  Streifenunbebauten ­
  Bodens  vom  Nordosten  Berlins  getrennt.
And  nicht  nur,  daß  diese  Orte  mit  Berlin  verwachsen  sind,  gliedern
sich  an  ihre  Verlängerung  von  Berlin  hinweg  wieder  andere  Orte  an,  die
vordem  isoliert  liegende  Dörfer  und  Flecken  waren,  nun  aber  gleichfalls
in  rascheres  Wachstum  eingetreten  sind.  Ähnliches  gilt  auch  von  den  meisten
Orten,  die  zwischen  den  genannten  großen  Ausstrahlungen  Berlins  liegen.
In  der  ganzen  Amgebung  dehnt  und  reckt  es  sich.  Lier  werden  frühere
Dörfer  zu  Wohnkolonien  für  bestimmte  Schichten  des  bessergestellten
Bürgertums  mit  ihrem  Anhang,  dort  erstehen  in  Masse  Wohnquartiere
für  Kleingewerbetreibende,  Beamte  und  die  um  Lohn  arbeitenden  breiten
Volksklassen,  und  einige  dieser  Orte  entwickeln  sich  zugleich  zu  Produktionsstätten ­
  von  Bedeutung.  Bis  über  den  zweimeiligen  Amkreis  von  Berlin
hinaus  sind  aber  alle  Orte  in  der  einen  oder  andern  Weise  organisch  mit
der  Hauptstadt  verbunden,  die  so  einem  Polypen  mit  immer  weiter  sich
ausstreckenden  Fangarmen  zu  vergleichen  ist.  Was  von  den  Fangarmen
erfaßt  wird,  hört  auf,  ein  Organismus  für  sich  zu  sein  und  bezieht  sich  in
seinen  Lebensäußerungen  immer  stärker  auf  Berlin  als  Zentralkörper,  der
rückwirkend  seinerseits  aber  auch  in  immer  größere  funktionelle  Abhängigkeit
von  jenen  Außenteilen  gerät,  ohne  sie  in  seiner  jetzigen  Gestatt  nicht  atmen,
sich  nicht  >nehr  lebenskräftig  regen  könnte.
Anter  dem  Gesichtspunkt  wirtschaftlicher  Zusammengehörigkeit  ist  daher  als
Berlin  nicht  mehr  nur  die  diesen  Namen  tragende  Stadtgemeinde  zu  verstehen, ­
  sondern  mit  ihr  das  ganze  Konglomerat  von  großen  und  kleinen
Orten,  das  im  meilenweiten  Amkreise  um  sie  herum  sich  gruppiert.  Soweit
ein  zwei  Meilen  fassender  Radius  vom  Zentrum  aus  es  umschreibt,  wird
es  heute  von  der  Statistik  als  das  größere  oder  Groß-Berlin  bezeichnet
und  hatte  1905  eine  Bevölkerung  von  3201849  Seelen.  Rechnet  man
dagegen  zur  Stadtgemeinde  Berlin  die  beiden  Reichstagswahlkreise  hinzu,
die  Berlin  umgeben,  nämlich  die  Wahlkreise  Niederbarnim  und  Teltow-Becskow-Storkow-Charlottenburg,
  so  erhält  man  ein  Groß-Berlin,  das  1905
3,3  Millionen  Seelen  umfaßte.  And  dieses,  nicht  nur  den  ehemaligen  weiteren
Polizeibezirk  Berlin,  sondern  auch  das  Groß-Berlin  der  statistischen  Einteilung ­
  an  geographischer  Ausdehnung  und  Bevölkerungszahl  noch  übertreffende ­
  Gebiet  wird  in  der  hier  zu  behandelnden  Zeit  für  eine  Anzahl
politischer  Zwecke  das  Groß-Berlin  der  Sozialdemokratie.
Wenn  aber  aus  dem  Groß-Berlin  der  Polizeiverwaltung  und  auch
aus  dem  Groß-Berlin  der  Statistik  Orte  weggeblieben  sind,  die  wirtschaftlich
noch  zu  Berlin  gehören,  so  umfaßt  dagegen  das  sozialdemokratische  Groß-Berlin
  eine  Reihe  von  Ortschaften,  die  mit  der  Lauptstadt  in  keiner  wesentlich
anderen  Beziehung  stehen,  wie  irgendwelche  sonstige  Ortschaft  der  Monarchie.
            
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