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die Bedeutung der Geltung einzelner Völker oder unseres Volkes
haben — tiranszendent. Und ohne Rücksicht auf die Kinderzahl:
warum soll der Arbeiter „menschenwürdig‘“ leben können? Hat man
an das Wohlbefinden des Sklaven gedacht? Warum ist Entbehren
nicht wertvoller als sich satt essen? Warum sollen keine zu großen
Unterschiede im Einkommen ‚bestehen? Warum soll der eine nicht
hungern, während der andere praßt? Jede dieser Fragen führt also-
bald zu den „letzten“ F ragen.
Wenn wir diese Erwägungen in allgemeinen Sätzen ausdrücken,
so ergibt sich folgendes: jedes Werturteil über eine wirtschaftliche
Erscheinung hat zur Voraussetzung die Vorstellung einer „richtigen“
Gesamtgestaltung des Wirtschaftslebens; diese aber ist das, was wir
die „richtige“ Wirtschaft nennen. Diese „richtige‘‘ Wirtschaft kann
nur bestimmt werden durch. Ausrichtung auf einen „höchsten‘‘
Zweck. .
Dieser „höchste“ Zweck ist nun aber nicht etwa, wie man denken
könnte und wie man zuweilen annimmt, ein innerwirtschaftlicher.
Mit anderen Worten: es gibt keinen selbständigen, obersten Zweck
der Wirtschaft, keinen absoluten Wert der Wirtschaft. Alles, was
man als solchen bestimmen zu können geglaubt hat, wie volkswirt-
schaftliche Produktivität, Nachhaltigkeitserfolg, Volkswohlfahrt oder
dergleichen, gründet, wie tieferes Nachdenken erweist, in‘ einem
höheren Wert, der immer ein außerwirtschaftlicher ist. Man
braucht sich nur die Frage vorzulegen: Warum höchste Produk-
tivität? warum Nachhaltigkeitserfolg? warum Volkswohlfahrt?, um
das einzusehen. (Wollte man aber der Wirtschaft einen höchsten
Zweck setzen, ohne ihn weiter zu begründen, so würde man die
ganze Problematik von Grund aus ändern: man würde aus der Ebene
der richtenden Nationalökonomie als einer „Normwissenschaft‘“ in die-
jenige einer Kunstlehre wechseln, für die allein sich derartige fiktive,
„Als-ob‘“-Zwecke schicken.) Machen wir uns also klar, daß der Ent-
scheid darüber, wie gewirtschaftet werden soll (oder kann), letzten
Endes immer bestimmt wird durch irgendwelche außerwirtschaft-
lichen Entscheide. Deren gibt es aber eine bunte Menge, aus der ich
nur einige der wichtigsten Möglichkeiten herausheben will. Die