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schäften, es ruhte daher direkt auf ihnen der Zwang, die Kosten
für die Erziehung ihrer Zöglinge durch diese selbst aufbringen zu
lassen. Ein streng religiöser, aber immerhin sich in den-Werken
der Barmherzigkeit betätigender Geist stand an der Wiege dieser
Rettungsanstalten- Dieser Geist sah mit einer gewissen Grämlichkeit
auf die sinnlichen Freuden der Welt und strafte hart jeden außerehelichen
Geschlechtsverkehr als eine Unzuchtssünde- Aus den Jahresberichten
der Magdalenenheime dringen oft die harten Worte des
eifernden Buß- und Katechismuspredigers an unser Ohr. In dem
18- Jahresbericht über die Tätigkeit des Magdalenenashls von
Hannover (1897) wird als „höchstes und wichtigstes Erziehungsmittel"
das Wort Gottes gepriesen- „Denn hier hilft kein Kraut
und Pflaster, sondern allein das Wort Gottes, das alles heilt- Eben
darum treiben wir das Wort Gottes mit ihnen- , Wir treiben es in
großer Nüchternheit, nicht mit Schwärmerei, nicht um Tränen zu
entlocken . - -, wir treiben Gottes Wort und den Katechismus ganz
nüchtern, aber hoffentlich so, daß es geht wie ein zweischneidiges
Schwert durch Mark und Bein." Neben dem Katechismus dient
die „straffe, stramme Arbeit" als das beste Erziehungsmittel für
die geistige und moralische Umkehr der Magdalenen- Ueberarbeit
und Katechismus! Wir lehnen uns grundsätzlich gegen ein Erziehungssystem
aus, wie es in den vorhergehenden Zeilen zum
Ausdruck kam.
Selbst in dem „Rcttungshaus-Boten", dem Korrespondenzund
Erziehungsblatt für das Rettungshauswesen, wird die teilweise
Ueberarbeit der Lehrer und Zöglinge der Rettungsanstalten zugegeben:
„Es ist leider," so lesen wir im Jahrgang 1892 des
„Rcttungshaus-Boten", „eine beklagenswerte Tatsache, daß an
manchen Rettungsanstalten, besonders in kleineren, deren Kinderzahl
20 nicht erreicht, der Ackerbau für Hausväter und Kinder übermäßig
anstrengend wird." Die Ueberarbeit in den Rettungsanstalten
war vielfach durch die ganz ungenügende wirtschaftliche Fundamentierung
der Rettungshäuser bedingt.
Die Gerechtigkeit verlangt, an dieser Stelle freimütig anzuerkennen,
daß die von der „Inneren Mission" gegründeten Anstalten
wirklich zuerst etwas für die innere Aufrichtung der imglücklichen
-Geschöpfe, der Prostituierten taten, und daß diese Anstalten
einen nicht so ganz unbeträchtlichen Prozentsatz von Prostituierten
einem geordneten bürgerlichen Leben wieder zurückeroberten-
Der Schreiber dieser Zeilen hat dank der Zuvorkommenheit
einiger leitenden Köpfe der „Inneren Mission" einen Einblick
in einige hundert Berichte von Rettungsanstalten und Magdalcnenasyle
genommen, und er konnte aus diesen zahlreiche Erfolge in
der Erziehungsarbeit dieser Anstalten verzeichnen. Wir wollen hier
nur einige Beispiele anführen. Das evangelische Magdalenenstist
für die Provinz Schlesien in Lissa erzog nach ihrem Geschäftsbericht
für das Jahr 1890 im Laufe der Fahre etwa 537 Mädchen. Von