Full text : David Ricardo und die Grenzwerttheorie

21

Kultur  in  der  Seele  des  Menschen,  worin  die  Zweckmäßigkeit ­
  der  reinen  Formen  der  Objekte  ohne  Bezug
auf  konkrete  Interessen  des  Subjekts  (es  handelt  sich
um  Zweckmäßigkeit  ohne  Zweck,  wie  es  Kant  genial
definiert)  auf  Grund  von  reinen  Anschauungen  (Kontemplationen) ­
  empfunden  wird.
Eine  das  Leben  hemmende  Lage  äußert  sich  außer
in  Form  eines  unbestimmten  Unlustgefühls  auch  im
konkreten  Bild  des  Bedürfnisses,  welches  schon  eine
gewisse  Erkenntnis  des  Unlust  erregenden  Objekts  und
der  mutmaßlichen  Weise  seiner  Beseitigung  anregt  und
voraussetzt.  Ein  Bedürfnis  erregt  im  Menschen  notwendigerweise ­
  die  Begierde  zum  Mittel  der  Abhilfe,
und  dieses  Begehren  ist  die  Grundtatsache  jeder  Willensund ­
  Tätigkeitsentfaltung  und  jeder  Erkenntnis  überhaupt. ­
  Darum  treibt  uns  oft  genug  im  Leben  das
Bedürfnis  zur  Erkenntnis  des  Nützlichen  und  Schädlichen, ­
  des  Guten  und  Bösen.  Darin  liegt  eben  die
große  Bedeutung  des  Bedürfens  und  des  Leidens,  daß
erst  durch  diese  unser  Willens-  und  Erkenntnisvermögen
angeregt,  höhere  Daseinsformen  hervorgebracht  werden.
Denn  die  höhere  Daseinsform  verwirklichen  ist  nichts
anderes,  als  das  Gleichgewicht  zwischen  den  inneren
Kräften  des  seelischen  Lebens,  welche  sich  als  Wünsche
und  Bedürfnisse  äußern,  und  der  Konstellation  der  umgebenden ­
  Natur  wiederherstellen.
Nur  auf  Grund  dieser  Gedanken  werden  die  Worte
Spinozas  verständlich:  „Die  Erkenntnis  des  Guten  und
Schlechten  ist  nichts  anderes  als  der  Affekt  der  Lust
oder  Unlust,  sofern  wir  uns  derselben  bewußt  sind.“
(Ethik,  IV.  Teil.)  Aus  diesen  Worten  erhellt,  daß  das
Gute  das  im  eminenten,  im  tiefsten  Sinne  des  Wortes
Lustaffekt  Erzeugende  ist,  das  mit  den  Lebensinteressen
des  Individuums  und  des  Menschengeschlechts  direkt
oder  indirekt  verknüpft  ist,  das  oft  nicht  erkannt  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.