Full text: Die Entwicklung der Berliner Vorortgemeinde Kleinschönebeck-Fichtenau unter besonderer Berücksichtigung der Finanzen

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Bezirkskommissionen im Dorf und in der Kolonie. Jede Kommission 
besteht aus einem Bezirksvorsteher und zwei Armenpflegern. 
Da die Posten ehrenamtlich bekleidet werden, erhöhen sich die Lasten 
der Armenpflege durch diese Einrichtung nicht. Die Aufwendungen 
sind überhaupt verhältnismäßig gering geblieben, wiewohl sie natürlich 
auch eine steigende Tendenz aufweisen. Aber genau feststellen lassen sich 
diese Ausgaben nicht, da sowohl bei offener, wie bei geschlossener 
Armenpflege *) die Unterstützung nicht nur in Geld, sondern auch in 
Naturalien stattfinden kann. So ist ein Teil der Ortsarmen in den 
jetzt als Armenhäusern eingerichteten früheren Hirtenhäusern untergebracht 
und ihnen auch ein kleiner Garten überlassen. In solchen Fällen findet 
oft gar keine bare Unterstützung statt. Im übrigen handelt es sich bei 
der geschlossenen Armenpflege in Kleinschönebeck-F., da die Gemeinde 
außer den zwei kleinen Arnienhäusern eigene Anstalten für Waisen, 
Kranke, Sieche usw. nicht besitzt, lediglich um Unterbringung in einer 
öffentlichen Anstalt, für deren Kosten sie als Ortsarmenverband aufzu 
kommen hat. Die offene Armenpflege wird ausgeübt einerseits durch 
Unterstützung in Geld, namentlich in Form regelmäßiger Zahlungen an 
gewisse Arme auf unbestimmte Zeit, andrerseits durch Naturalien, wie 
Nahrungsmittel, Heizmaterial, durch Bezahlung des Mietzinses und im 
Erkraukungsfalle der Arzneikosten. Ferner gehört hierher die Gewährung 
eines angemessenen Begräbnisses und gebührenfreie Hergäbe des Be-- 
gräbnisplatzes, die auch denen zuteil wird, die bei Lebzeiten eine Unter 
stützung nicht erhalten haben. 
Die baren Unterstützungen sind tvieder in laufende und einnialige 
zu trennen, von denen jene mit ungewöhnlicher Ausnahme der Jahre 
1899—1901 natürlicherweise die größere Summe darstellen. 
Da aus der Armenkasse die Ausgaben auch für Angehörige fremder 
Verbände getragen werden, ist es nötig, auch die Überweisungen jener 
an die Armenkasse zur Gewinnung der Nettozahlungen aufzuführeu. 
(Siehe Tabelle nächste Seite.) 
Die Spalte: Besoldungen erklärt sich durch Anstellung eines Armen 
arztes und eine laufende Unterstützung der Diakonissenstation, die der 
evangelische Frauenverein unterhält. Es ist im Interesse der guten 
Sache auf das lebhafteste zu bedauern, daß die Beihilfe ini Jahre 1911 
entzogen wurde, weil nach Ansicht der Gemeinde die Krankenpflege nicht 
in genügender Weise den Armen zugute kam. Die Einstellung der Bei 
hilfe im Etat für 1912 scheint jedoch wenigstens den guten Willen der 
Gemeindeverwaltung zu zeigen. Bedauerlich wäre, wenn der jetzige 
0 Bei der offenen Armenpflege wird der zu Unterstützende in seiner Wohnung 
und seinem Familienkreise belassen, bei der geschlossenen in einem Kranken- oder 
Siechenhaus bezw. einer anderen Anstalt untergebracht
	        
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