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VII. Kapitel.
Im Jahre 1908 bestand es in Indien insofern eine harte Probe, als die Handels
bilanz ungünstig war und den Verkauf von über £ 8,000,000 in Wechseln
auf London erforderte, bevor das indische Geldwesen genügend gefestigt
war, um wider den Strom segeln zu können.
Unter den Nationen, welche nun die hinkende Währung haben, befinden
sich die Vereinigten Staaten. Im Jahre 1792 nahm der Kongreß vollkom
menen Bimetallismus an. Den Gold- wie den Silbermünzen wurde die
Eigenschaft als vollständiges gesetzliches Zahlungsmittel verliehen; beide
Metalle waren in einem Verhältnis von 15 Unzen Silber zu 1 Unze Gold
frei und ohne Einschränkung auszuprägen.
Bald kam es dazu, daß das Marktverhältnis das Verhältnis 15 zu 1
übertraf, da ersteres durch verschiedene Bedingungen, besonders durch
Verhältnisse in anderen Ländern und speziell in Frankreich bestimmt wurde.
Gold strömte infolgedessen aus. Es ist zwar nicht möglich, mit Genauigkeit
festzustellen, zu welcher Zeit diese Bewegung begann, doch erklärt Pro
fessor Laughlin, daß sie bereits im Jahre 1810 einsetzte, und zieht den
Schluß, daß sich im Jahre 1818 wenig Gold in Zirkulation befand 1 ). Das
nominell bimetallistische Amerika wurde tatsächlich Silberwährungsland.
Teilweise durch den Wunsch, das Gold wieder in Umlauf zu bringen, und
teilweise vielleicht auch durch die angeblichen Goldentdeckungen in den süd
lichen Staaten beeinflußt, nahm der Kongreß in den Jahren 1834 und 1837
Gesetze an, die das Verhältnis „16 zu 1“ — oder genauer, 16,002 zu 1 im
Jahre 1834 und 15,998 zu 1 im Jahre 1837 — festsetzten. Während durch
die vorigen Gesetze das Silbergeld überwertet worden war, wurde durch diese
neuen Gesetze nunmehr das Gold überwertet. Das heißt, das Wertverhält
nis im Handel blieb fortdauernd nahe 15,5 zu 1, während das gesetzliche
Verhältnis etwas höher war. Dies war der Fall bis zum Jahre 1850. DieFolge
davon war, daß, dem Greshamschen Gesetze gemäß, das billigere Goldgeld
das Silbergeld hinaustrieb und die Vereinigten Staaten ein Land mit Gold
duclion oj the Gold Exchange Standard into China, the Philippine Islands, Panama, and other
Silver-using Countries and on the Stdbility oj Exchange, Washington (Government Prin-
ting Office), 1904; Kemmerer, „Establishment oj the Gold Exchange Standard in the Philip-
pines“, Qwrterly Journal oj Economics, August 1905, S. 600 605.
G The History oj Bimetallism in the United States, New York (D. Appleton and Com
pany), 1901, 4. Aufl., S. 29.