Die englische Industrie.
27
Zu gleicher Zeit haben auch die Kartelle der verschiedenen Industrien,
vor allem der Eisen- und Metallindustrie, festere Form und
längere Dauer gewonnen. Aber noch immer ist naturgemäß dank
der internationalen Konkurrenz ihre Herrschaftsgewalt beschränkt.
In der englischen Industrie kämpfen heute wie auf handelspolitischem,
so auf organisatorischem Gebiete die Vertreter zweier Richtungen.
Die einen glauben, daß in der alten individualistischen, auf
Freiheit des Marktes beruhenden Organisation auch auf die Dauer
das Heil beruhe; die andern schielen sehnsüchtig nach Deutschland
und Amerika und möchten mit deren Zollpolitik auch deren starke
monopolistische Organisationen in das Inselreich hinüberführen.
Was hat England mit seiner alten individuellen Organisation erreicht,
und was bietet sie ihm heute? Der Hauptvorzug der englischen
Organisation war eine Versatilität, eine leichte Einstellungsmöglichkeit
in veränderte Verhältnisse, wie sie durch keine andere
bisher bekannte Form der industriell-kommerziellen Beziehungen je
erreicht worden ist. In den großen Kommissionshäusern der Rohmaterialien,
der Halbfabrikate und der Fertigfabrikate besitzt England
eine an spezialisierten Kenntnissen, Initiative und Kapitalkraft
kaum irgendwo wieder erreichte Handelsklasse. Die Trennung der
verschiedenen Produktionsstadien in verschiedene Unternehmungen
gestattet eine Anpassung an die Konjunkturen, wie sie die integrierte
Unternehmung niemals darzubieten vermag.
Nehmen wir an, ein integriertes Unternehmen der Wollindustrie
hat bisher eine bestimmte Art Wollgarne für bestimmte Gewebe
verarbeitet, die, sagen wir einmal, auf dem südamerikanischen Markte
besonders verkauft wurden. Jetzt ändern sich die Absatzverhältnisse.
Der Unternehmer muß einen anderen Markt suchen, der andere
Markt verlangt andere Gewebe, die anderen Gewebe andere Garne.
Entweder er muß also, um sich den veränderten Verhältnissen anzupassen,
seine gesamte Produktion und seine gesamte Vertriebsorganisation
fundamental umgestalten, oder er zerreißt sein äußerlich
einheitliches Unternehmen in eine Reihe absolut getrennt arbeitender
Werke, verkauft also seine Halbfabrikate und kauft dafür
andere ein und hat somit nur die Nachteile, nicht aber die Vorteile
eines integrierten Werkes.
Ganz anders bei der differenzierten Organisation, die in England
vorherrscht. Ein Kommissionshaus, das für einen bestimmten Markt