Full text: Die Einrichtungen der preußischen Landkreise auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft

anbauer kann von seiner Ernte an Samen 10,60 Zentner für 
sich behalten und in seiner Wirtschaft verwenden. Durch Aus 
stellung einer Bescheinigung seitens der Ortsbehörde wird ihm die 
Erlaubnis zum Schlagen auf einer mit Wasserkraft arbeitenden 
Ölmühle erteilt. Die abfallenden Ölkuchen verbleiben gleichfalls 
der eigenen Wirtschaft. Der Flachs selbst muß zwar restlos ab 
geliefert werden, doch werden auf Antrag dem Flachsanbauer 
Brechflachs, Garn, Seilerwaren oder Leinwand — je nach Wahl — 
für noch festzusetzende Preise zurückgeliefert. Bei Abgabe von 
24 Zentner Strohflachs — der Ernte von etwa einem Morgen — 
werden z. B. zurückgeliefert: 32 Pfund Knickwerg oder 14 Pfund 
Werggarn oder 14 Pfund Leinenstricke (das sind rund 80 Meter) 
oder 12 Pfund gebleichte Leinwand oder 14 Pfund Drillich (das 
sind rund 20 Meter in normaler Breite). Der Anbauer von Flachs 
sichert sich weiter ein Bezugsrecht auf Bindegarn. Man kann damit 
rechnen, daß für 1 Morgen Flachs rund 12 Pfund Bindegarn 
zurückgeliefert werden. Diese Menge reicht hin, um 7 bis 8 Morgen 
Getreide aufzubinden. So bringt der Anbau von Lein, mit dem 
der Landwirt im Kreise wohlvertraut ist, mancherlei wirtschaftliche 
Vorteile; er ist deshalb, wo es die Verhältnisse gestatten, sehr zu 
empfehlen. Den Gemeindevorstehern sind Listen zur Anmeldung 
für den Flachsbau zugestellt. Die Verteilung des Saatleins, der 
von der Kriegs-Flachsbau-Gesellschaft geliefert wird, wird, wie im 
Vorjahre, durch das Kornhaus Herford geschehen. Der Preis für 
1 Zentner Saatlcin mit einer Gewähr von 97 v. H. Reinheit und 
75 v. H. Keimfähigkeit beträgt 37 M. für den Zentner. 
Weiter wird auf den Anbau von Sommerraps und 
Sommerrübsen zur Linderung der Fettnot -dringend hin 
gewiesen. Auch Mohn über Möhren ist anzuraten. 
Sofortige Eindeckung -mit G e m ü s e s ä m e r e i e n ist 
dringend zu empfehlen. Bei der Knappheit und den hohen Kosten 
für die Sämereien Weißkohl, Rotkohl, Wirsing und Kohlrabi ist es 
unwirtschaftlich und kostspielig, wenn der einzelne Kleingarten 
besitzer Samen kauft und aussät. Es gehen dabei immer kleine 
Mengen ungenutzt verloren, die teuer bezahlt worden sind und 
anderswo fruchtbar hätten verwendet werden können. Deshalb ist 
es notwendig, daß die Kleingartenbesitzer ihren Bedarf an Gemüse 
pflanzen nicht selbst heranziehen, sondern ihn von geeigneten 
Gärtnereien oder sonstigen Pflanzenzüchtern kaufen. Ratsam wird 
es -aber sein, den Bedarf recht frühzeitig bei den betreffenden 
Gärtnern und Landwirten anzumelden, damit diese einen Überblick 
haben, wieviel Pflanzen sie heranziehen müssen.
	        
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