Full text: Das Gemüse in der Kriegswirtschaft

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in Deutschland der Verbrauch an Brot, Mehl und Teigwaren 
138 kg jährlich oder 378 g täglich gewesen. Noch auffälliger 
wurde dieses Mißverhältnis, als vom 1. April 1917 ab vorüber 
gehend die Brotration noch weiter erheblich herabgesetzt werden 
mußte. 
Auch in der Kartosfelversorgung traten trotz der 
großen Kartoffelernten der Jahre 1914 und 1915 schon im Herbst 
1916 erhebliche Schwierigkeiten ein, die zu Zwangseingriffen 
nötigten und zur Gründung einer Reichskartoffelstelle führten. 
Wenn auch zunächst von einer Kopfzuteilung der Kartoffeln ab 
gesehen wurde, da nach den Erhebungen die vorhandene Ernte zur 
Befriedigung des Bedarfs voll ausreichte, so sind doch schon im 
Winter 1915/16 zahlreiche Schwierigkeiten und Stockungen in der 
Kartoffelversorgung der großen Bedarfsgegenden nicht ausgeblieben. 
Bei den Umlagen, welche die Reichskartoffelstelle im Sommer 1916 
ausschrieb, konnten die Überschußkommunalverbände bei Be 
rechnung ihres Eigenbedarfs einen Verbrauch von V/ 2 Pfund je 
Kopf und Tag zugrundelegen. Als im Herbst 1916 die ungünstigen 
Ergebnisse der Kartoffelernte bekannt wurden, mußte eine Ver 
brauchsregelung eintreten. Die Tageskopfmenge wurde zunächst 
auf i-V 2 Pfund für Selbstversorger und 1 Pfund für die ver 
sorgungsberechtigte Bevölkerung bestimmt, später auf 1 Pfund für 
Selbstversorger und % Pfund für die übrige Bevölkerung fest 
gesetzt. Aber es ist bekannt, daß trotz strengster Zuteilung, trotz 
Einführung von Kartoffelkarten und sonstiger Maßnahmen die 
Versorgung im Durchschnitt weit hinter den festgesetzten Mengen 
zurückgeblieben ist. Seit Herbst 1917 ist ein Tageskopfsatz von 
14/2 Pfund für Selbstversorger und ein Wochenkopfsatz von 
7 Pfund für die übrige Bevölkerung festgesetzt worden. Nach 
den Angaben der vorgenannten Wagemannschen Schrift hat in 
Deutschland der Durchschnittsverbrauch an Kartoffeln im Frieden 
auf den Kopf 180 kg im Jahre, also nur 493 g am Tage betragen, 
die zugemessene Ration hat diesen Satz also mit Ausnahme der 
Zeit vom 1. Januar bis 20. Juli 1917, wo nur 375 g gegeben 
werden konnten, überschritten. Allein es ist zu bedenken, daß der 
Bedarf infolge der Knappheit des Brotes und aller anderen 
Lebensmittel ganz wesentlich größer war, als in Friedenszeiten, 
so daß die zugemessenen Mengen hinter den Bedürfnissen des 
größten Teiles der Bevölkerung zurückblieben. 
Wesentlich stärker wurde der Fleischverbrauch der 
Zivilbevölkerung eingeschränkt. Schon mit. Bekanntmachung vom
	        
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