18 J. Das Problem der Rechtsphilosophie.
möchten. Aber auch die eigene Persönlichkeit wird in dieser Ent⸗
wicklungslehre in keiner Weise beeinträchtigt; denn stets heben wir
hervor, daß die Kulturentwicklung nur durch die ungeheure
Tat der vielen Einzelnen sich vollziehen kann und daß,
je eifriger wir arbeiten, wir um so näher den letzten Zielen
kommen. Allerdings das ist richtig, daß wir uns unbewußt
der Führung des Schicksals anvertrauen müssen; die ganze
Kulturgeschichte lehrt, daß das Aufblühen der Weltbildung sich
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sie wollten das eine bewirken, und sie bewirkten das andere, und
namentlich viele, die das Böse zu unterstützen wähnten, sind zu
den Hauptförderern des Guten geworden. Gewiß ist der Frauen⸗
raub nach unserer Anschauung eine Roheit, und doch hat der—
jenige, der zuerst eine Frau raubte, eine der größten Taten der
Menschheit ausgeführt, indem er die Grundlage der modernen Ehe
geschaffen hat; in welcher Weise, das lehrt die vergleichende
Rechtswissenschaft. Darum steht allerdings das Schicksal am
Steuer und lenkt unsere Ziele, während wir, im Illusionismus
befangen, vielleicht ganz anderen Zwecken zustreben: die Illu—
sionen erfüllen uns oftmals mit lebhaftem Eifer für scheinhafte
Zukunftsgüter, aber was wir damit leisten, kommt der
wahren Kultur zugute. Lenkt uns daher das Schicksal gegen
unser Erwarten, so ist darum unser Streben und unser Wirken
nicht fruchtlos gewesen. Wohl steht das Schicksal am
Steuer, allein wir sind die Schiffsleute, die mit allem
Aufwand unserer Kräfte zu arbeiten haben, damit das
Schiff seine Bahn durchmißt. Nie könnte das Schicksal
zum Kulturfortschritt gedeihen, wenn nicht die Tat von tausend
und abertausend Geistern dahinterstünde, welche ihm bewußt und
unbewußt zu Diensten sind. Was kann der Steuermann ohne
die Hilfe der Schiffsmannschaft? Wir aber sind die Schiffsleute,
wir haben kräftig und tüchtig zu wirken, damit unser Fahrzeug
um so schneller und gefahrloser auf dem Wege der Geschichte ein—
herstreiche nach den Zielen der Menschheit hin. Was wäre die
Menschheit ohne den Geist eines Plato, eines Badarüyana, eines
Hegel, eines Savigny? Darum rüstig weiter gearbeitet auf der
Bahn des Fortschritts!