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auf welchen das ausgespannte Fell gelegt wird. So ist es z. B. bei
den Koffern der FallZ, welche sich in bezug auf Fellarbeit noch in
den Anfangsstadien befinden. Häufig wird das auf dem Boden liegende
Fell befestigt, es wird entweder am Rande nur mit kleinen Steinen
beschwert 2 ) oder es wird ausgespannt, so in Island und Nordamerika 3 * ),
die Eskimos pflöcken es auf dem Boden mit Seehundsrippen H oder
Renntierrippen 5 * ) an; solche Vorstellungen liegen offenbar auch öor,
wenn Aristophanes sagen läßt: „Ich spann dich auf den Boden"
„Auf die Erde nagle ich Dir die Haut" 7 ). In China wird die zu
trocknende Haut auf ein Brett genagelt 8 ), und damit ist der Übergang
gewonnen zu der Form der Fellarbeit, welche nicht mehr in einer auf
dem Boden kauernden Stellung vorgenommen werden muß; denn die
auf diese Weise ausgespannte Haut läßt sich in jede für die jeweilige
Arbeit bequeme Stellung bringen.
Die Verwendung von hölzernen Rahmen zum Einspannen der zu
bearbeitenden Haut ist die vollendetste Unterlage für primitive Fellarbeit;
denn hier kann nicht nur die Haut schnell und bequem ohne zu runzeln
getrocknet werden, sondern der Rahmen gestattet auch ein leichtes und
gleichmäßiges Bearbeiten und Beschaben der Fleisch- wie der Narben
seite, ohne daß das Fell oder die Haut von dieser Unterlage entfernt
zu werden braucht. Indianer 9 ) und mongolische Nomaden 10 ) haben
gleichmäßig diesen hölzernen Rahmen ausgebildet, und auf ähnliche
Zustände im alten Griechenland ist wahrscheinlich angespielt mit dem
Verse „Ich spann dich in den Bock" ll ); endlich bediente sich die ganze
Pergameutfabrikation während des ganzen Mittelalters und noch weit
hinein in die neue Zeit solcher hölzerner Rahmen zur Bereitung des
Pergaments; denn die Pergamentherstellung ist ja, wie uns das Schema
zeigt, nur eine in Hinsicht auf die endliche Verwendung etwas modi
fizierte primitive Fellarbeit, kombiniert mit der im Abendland üblich
gewordenen Vorarbeit.
Eine dritte, ebenfalls sehr altertümliche Form der Unterlage stellt
der Schabebaum oder Gerberbaum dar, welcher schon auf ägyptischen
Abbildungen des alten Reiches vorhanden ist; er scheint weiter in der
klassischen Zeit üblich gewesen zu sein "), die ältesten deutschen Hand-
y Deutsche Gerberzeitung 1897. 2 ) Ledertechnische Rundschau 1912, S. 270.
8 ) Goguet Ex. 1796, S. 58; siehe auch Abbildung in Spamers Conversations-
lexikon 1875, Bd. IV, S. 666. *) Cranz 1770, Bd. I, S. 28.
5 ) Ledertechnische Rundschau 1912, S. 270. Abbildung bei Schurtz 1800,
S. 315. °) Aristophanes Vers 470. 7 ) Aristophanes Vers 863.
8 ) Gray 1878, Bd. II, S. 158.
») Abbildung bei Jörissen 1909, S. 4 und in Spamers Conversationslexikoir
1875, Bd. IV, S. 666. “) Poppe 1837, S. 340; Rüst 1844, S. 338.
") Aristophanes Vers 470. n ) Blümner 1875, Bd. I, S. 261.