Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Nicht  allein  die  Sorge  um  den  Gerbstoff,  von  welcher  wir  ja  im  ersten
Teil  gesprochen  haben,  es  sind  auch  nicht  vorwiegend  kapitalistische
Erwägungen,  welche  den  Siegeslauf  des  Chroms  veranlaßt  haben,
sondern  das  Chromleder  besitzt  eine  Reihe  neuer  wichtiger  und  wertvoller
Eigenschaften,  unter  welchen  nur  die  schon  erwähnte  hervorgehoben  sei,
daß  die  mit  anderen  Gerbemethoden  nur  minderwertiges  Leder  liefernden
Schaffelle  durch  Chrom  in  Produkte  guter  Marktfähigkeit  veredelt  werden.
Die  wichtigen  Positionen  in  dem  hundertjährigen,  soeben  geschilderten ­
  Konkurrenzkämpfe  und  die  großen  Verteilungen  der  Nachfrage
in  dem  ganzen  gestiegenen  Verbrauch  wurden,  wie  hier  dargestellt,
allerdings  erzwungen  auf  Grund  der  in  Betracht  kommenden  Gerbemethoden, ­
  aber  nicht  allein  durch  diese,  sondern  auch  durch  die  den
Gerbemethoden  jeweils  zur  Verfügung  stehenden  Betriebsmittel;
diese  sind  der  technische  Ausdruck  der  zugrunde  liegenden  gerberischen
Prinzipien  in  Hinblick  aus  das  zur  Verarbeitung  kommende  Hautmaterial.
Zu  der  Betrachtung  ihrer  Entwicklung  haben  wir  uns  daher  nunmehr
Zu  wenden.

5.  Kapitel.
Die  Entstehung  und  Entwicklung  der  Betriebsmittel.
8  15.  Die  Werkzeuge.
Ähnliche  großzügige  Entwicklungsverhältnisse,  wie  bei  den  Gerbemethoden ­
  lassen  sich  bei  den  zur  Durchführung  derselben  benötigten
Werkzeugen  beobachten.  Diese  Werkzeuge  stellen  natürlich  einerseits  den
technischen  Ausdruck  des  jeweils  zugrunde  liegenden  Prozeffes  dar,
andererseits  aber  zeigen  sie  in  sich  eine  selbständige  Entwicklung;  es
ergibt  sich  auch  hier  ein  merkwürdig  langes  Beharren  bei  übernommenen
Prinzipien,  aber  die  Form  der  Werkzeuge  entspringt  x ),  wie  wir  sehen
werden,  ursprünglich  aus  der  Natur  des  Werkzeugmaterials,  in  zweiter
Linie  stellt  diese  Form  in  verschiedenen  Stufen  der  Entwicklung  ein
gegenseitig  sich  bedingendes  Verhältnis  zwischen  Unterlage  und  arbeitendem ­
  Werkzeug  dar,  in  dritter  Linie  endlich  dominiert  bei  der  Formgebung ­
  ein  neues  Verhältnis,  nämlich  das  zwischen  der  Natur  der
Haut  und  der  Betriebskraft  der  Werkzeuge.
Die  primitivste  Unterlage  primitiver  Fellarbeit  ist  der  Fußboden,
*)  Das  natürlich  erst,  wenn  der  Übergang  von  dem  werkzeuglosen  Arbeiten
mit  den  natürlichen  Organen  der  Hand,  der  Zähne  usw.  zum  Arbeiten  mit  dem
-echten  Werkzeug  erfolgt  ist;  vgl.  S.  130,  131,  134,  135.
Ebert,  Eruwicklung  der  Weißgerberei.

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