Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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den  Rahmen  gespannten  Haut*),  diese  aber  ging  dann  über  in  den
sog.  Schlichtmond  der  späteren  Pergamenter,  ein  tellerförmiges  Messer
mit  einem  Loch  in  der  Mitte  zum  Anfassen  und  mit  vollkommen  kreisförmiger ­
  Schneide;  die  moderne  Handschuhmacherei,  Weiß-  und  Glacegerberei ­
  verwendet  ebenfalls  noch  diese  Schlichtmonde  in  der  Zurichterei,
wobei  die  Felle  allerdings  nicht  mehr  im  alten  Rahmen,  sondern  in
den  weniger  zeitraubenden,  aber  sehr  ähnlichen  Schrägen  gespannt
werden.
3.  Die  Werkzeuge  für  die  Bearbeitung  der  Felle  am  Schabebaum.
Die  konvexe  Unterlage  fordert  hier  vornehmlich  konkave  Schneiden.
Wir  sehen  also,  wie  sich  auf  Grund  einer  entwicklungsgeschichtlichen ­
  Betrachtungsweise  die  verschiedene  Form  der  Unterlagen  sehr
natürlich  ergibt,  wie  sich  weiter  die  verschiedensten  Werkzeuge  dadurch
sehr  einfach  klassifizieren  und  ihre  verschiedenen  Formen  verstehen  lassen.
Wir  haben  gesehen,  daß  sich  wesentlich  drei  Formen  der  Unterlagen
herausgebildet  haben,  von  welchen  zwei,  nämlich  der  Rahmen  und  der
Gerberbaum,  schon  im  Bestände  der  alten  Kulturvölker  vorhanden  sind,
und  daß  sich  diese  Formen,  besonders  die  des  Gerberbaums,  bis  heute
in  der  handwerksmäßigen  Technik  nicht  geändert  haben;  damit  wird  es
erklärlich  und  verständlich,  daß  nicht  nur  die  Grundformen  der  Werkzeuge, ­
  sondern  sehr  oft  sogar  deren  ganzer  Habitus  nicht  bloß  in  der
Reihe  vom  primitiven  Volke  bis  herauf  zum  hochentwickelten  Kulturvolk, ­
  nicht  bloß  in  der  langen  zeitlichen  Entwicklung  seit  dem  alten
Reiche  von  Theben  bis  zu  unseren  Tagen,  sondern  auch  gleichmäßig
durch  alle  Zweige  der  Gerberei,  gleichgültig  ob  Weiß,  Rot  oder  Sämisch,
die  gleichen  geblieben  sind.  Nur  die  Größe  der  Werkzeuge  ist  verschieden, ­
  indem  für  schwere  Häute  auch  starke  und  große  Eisen  nötig
sind,  während  die  auf  leichte  Felle  eingerichteten  Methoden  oder  Werkstätten ­
  nur  kleine  Werkzeuge  benützen.
Der  Gerberbaum  ist  die  typische  Form  der  Unterlage  im  Abendlande ­
  geworden,  hier  gehören  deshalb  die  Werkzeuge  zum  konkaven  Typ,
und  diese  Werkzeuge  wollen  wir  noch  etwas  näher  betrachten.
Die  im  Herbst  des  Jahres  1873  in  Pompeji  aufgedeckte  Gerberei
war  hauptsächlich  durch  die  wenigen  darin  gefundenen  Werkzeuge,  welche
sich  von  den  unseligen  fast  nicht  unterscheiden,  als  solche  charakterisiert  ^).
Die  Luccheser  Handschrift  des  8.  Jahrhunderts  orientiert  uns  lediglich
darüber,  daß  die  Haare  mit  einem  Messer  abgeschabt  werden 8 ),  desgleichen ­
  spricht  die  Mainzer  Handschrift  des  14.  Jahrhunderts  von
einem  Schabmessers,  ohne  uns  nähere  Auskunft  über  die  Form  zu

y  Mendel  S.  34  a  Abbildung.  ! )  Blümner  1875,  Bd,  I,  S.  279—280,  266.
3 )  Breslau  1899,  S.  888.  4 )  Gerberzeitung  1867,  S.  168.
            
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