Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— 82) — 
frage, die vergleichende Gegenüberstellung von Quantitäten, deren 
Bindeglied der Preis ist, als entscheidendes Kriterium dieser 
Theorie ansieht. Daß die „wertunbetonte‘“ Theorie Cassels von 
dieser Auslegung nicht weit entfernt ist, braucht wohl kaum noch 
gesagt zu werden. Erreicht ist diese Annäherung, die nur scheinbar 
willkürlich ist, durch ein Geringes: die Aufgabe der Ur-Sache, 
der psychischen Substanz”). 
Von diesem Standpunkt, der tatsächlich bestehende, aber 
für das Resultat relativ unbedeutende Differenzen der theoretischen 
Systeme abzuschwächen sich bemüht, wird es klar, daß die „wert- 
unbetonte‘““ Theorie für unser Problem keine nennenswerten Ver- 
änderungen Bringt. Noch bestimmter drängt sich uns die schon 
festgestellte Tatsache auf, daß die Erscheinung beschränkter Kon- 
kurrenz für die moderne Theorie nichts Ungewöhnliches ist. Ja, 
sie ist sogar die Regel und muß es auch sein, wenn die Theorie die 
seit den Klassikern vor sich gegangenen auffallenden Veränderungen 
der Wirklichkeit gerade in diesem Punkte auch nur annäherungs- 
weise in ihr System einbeziehen will. Cassel hat denn auch aus- 
drücklich erklärt?), daß die bisher in der Theorie übermäßig in 
den Vordergrund gerückte Voraussetzung freier Konkurrenz für 
ihn bedeutungslos sei, da jeder Preis durch das Element der Knapp- 
heit für sich hinreichend bestimmt werde. Die mangelnde Inter- 
dependenz der Preise, besonders der fehlende Zusammenhang 
zwischen den Preisen der Produktionsfaktoren und denjenigen der 
Produkte ist demnach kein Störungsfaktor des Systems. 
Bezüglich der „supplementären‘ Preisprinzipien Cassels 
sei hier noch beiläufig erwähnt, daß sie im gewissen Sinne das 
Knappheitsargument ergänzen sollen. Sie beziehen sich jedoch 
weniger auf Kokurrenzerscheinungen, sind vielmehr vornehmlich 
Variationen desselben Grundgedankens bei verschiedener technischer 
Effizienz. Bei unseren statischen Voraussetzungen ist übrigens 
hauptsächlich das „„‚Differentialprinzip‘ erwähnenswert; €$ ist die 
Formulierung der uns bekannten Erscheinung, daß sich die Preis- 
bildung an der Grenze der Produktion vollzieht, will sagen, daß 
die höchsten Kosten die Preisbemessung beeinflussen. Daß letztere 
ı) Vgl. auch Schuster, Untersuchungen zur Frage der Möglichkeit einer theo- 
retischen Wirtschaftswissenschaft. Arch. f. Sozialw., 49. Bd. 
2) Val. Cassel, a, a. 0. Si 108 ff. 
6
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.