Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— 60. — 
bei gestörter Konkurrenz sich auch oberhalb dieser Kostengrenze 
abspielen kann, zeigt uns, daß das Differentialprinzip für Konkurrenz- 
probleme uninteressant ist. Immerhin haben auch diese auf Er- 
tragsdifferenzen basierenden Supplemente Berührungspunkte mit 
unseren Untersuchungen, wie wir oben bei Erörterung der Renten- 
erscheinungen ausgeführt haben!). Sie bestehen eben darin, daß das 
Differentialmoment sowohl innerhalb wie zwischen den Betrieben 
anwendbar ist. 
Wenn wir jetzt den gesamten bisherigen Gedankengang 
überblicken, so muß es auffallen, daß die Verwandtschaft der 
Systeme und ihrer Problematik eine sehr enge ist. Mit dem Ver- 
zicht auf das substantielle Kausalproblem?) lösen sich alle Schwierig- 
keiten, die die Einheit der Theorie zu gefährden vermögen, mit 
ihm schwinden auch die Gründe für eine Theorie der internationalen 
Werte, glätten sich alle Unebenheiten im Gesamtbau der Theorie, 
die wir als sogenannte Modifikationen bisher besonders hervor- 
gehoben haben. 
Wir können deshalb unsere erste Frage, die wir in der Ein- 
leitung stellten, nunmehr endgültig dahin beantworten, daß es 
nur eine Theorie schlechthin gibt, daß also eine Theorie der 
internationalen Werte vom theoretischen Standpunkt aus 
keine Existenzberechtigung mehr besitzt, und zwar nicht nur 
deshalb, weil die Äquivalenztheorie der Klassiker falsch ist, son- 
dern weil überhaupt jegliche Kausaltheorie des Preises, die der 
Voraussetzung freier Konkurrenz stets bedarf, einen zweckwidrigen 
Ausgangspunkt nimmt, der zu theoretischen Dualismen heraus- 
fordert. 
Im Rahmen der Theorie Cassels sowohl wie der Nutzentheorie 
lassen sich die Resultate der oben angeführten empirischen Kritik 
als Daten des Systems verwenden. Jeweils entsprechend der kon- 
kreten Situation haben wir es mit bestimmten Produktionsmittel- 
märkten zu tun, auf denen sich die Preisbildung gemäß der Knapp- 
heit vollzieht. Ihre Interdependenz ist mangels freier Konkurrenz 
unterbrochen, ein einheitlicher Preis, der für diese Märkte eine 
1) Vgl. oben S. 61 ff. 
2) Daß wir mit diesem Verzicht keineswegs wieder bei der mengenmäßigen 
Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage angelangt sind, dürfte wohl ohne weiteres 
anerkannt werden.
	        
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