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Die Kampfmittel des wirtschaftlichen Imperialismus.
Grade der Gebundenheit her, von vorübergehender Bindung bis
zur dauernden Gefolgschaft. Die Abhängigkeit ist nicht selten eine wechsel
seitige, weil auch der Gläubigerstaat ein Interesse an der Verzinsung und
Amortisierung im Wege des wirtschaftlichen Imperialismus des Schuldner
staates haben kann. Es war die Abhängigkeit Rußlands und Frankreichs
infolge der Heranziehung der kleinen französischen Rentner zum wirt
schaftlichen und politischen Imperialismus eine wechselseitige.
Dem Anlagebedürfnisse des Kapitals kommt häufig das Kreditbedürfnis
von Staatsoberhäuptern und Staaten selbst entgegen. Der Widerstand
des Khediven von Ägypten, Abbas II. Hilmi, gegen die Ausbeutung
durch das französische und englische Kapital hat schließlich England zur
Vertretung seiner Gläubigerinteressen mit Waffengewalt veranlaßt. Die
internationale Finanzkontrolle unter der Führung Englands und Frank
reichs war der Vorläufer der Besetzung (1882), die schließlich nach dem
Interessenausgleich von 1904 zum Protektorate Englands über Ägypten
(1914) führte. So suchte der englische Imperialismus durch die Ge
währung unbegrenzter Anleihen zu doppelt so billigen Bedingungen als
sonst, die Kolonien an das Mutterland zu binden; er suchte selbständige
Staaten wie Argentinien und zerbröckelnde Staaten wie China abhängig
zu erhalten. Portugal und im verminderten Maße auch Spanien stehen in
Abhängigkeit vom englischen Anleihemarkt. Anleihen wie die Englands
an Persien im Jahre 1902 sind ein steter Grund, um für die Verlängerung
oder Erneuerung des Kredits wirtschaftliche oder politische Vorteile zu
erlangen, die in keinem Verhältnisse zum Marktwerte der Anleihe stehen.
Der finanzielle Beirat, der schließlich zum politischen Herrscher des aus-
gebeuteten Landes wird, ist ein wirtschaftliches Eroberungsmittel aller
ersten Ranges geworden. Ein Musterbeispiel liefert das japanisch-korea
nische Abkommen über die finanziellen und diplomatischen Beiräte vom
22. August 1904 (S t r u p p, Urkunden 2, 135). Die neuere Methode,
derartige wirtschaftliche Eroberungen sogar in Staatsverträgen
festzulegen, hat einen näheren Einblick in die Technik der Expansion
durch die Anleihepolitik gegeben.
Die erobernde Kraft des Leihkapitals wird durch dessen bank
mäßige Verwertung noch gesteigert. Dadurch, daß das Leihkapital die
Form der beliebig vermehrbaren und vertauschbaren Aktien ange
nommen hat, ist es in die Hände der Großbanken geraten. Diese sind
zwar nur Verwalter fremder Kapitalien, aber sie haben ein weit über die
Interessen des Eigentümers hinausgehendes eigenes Interesse an den
aus möglichst häufigen Umsätzen sich ergebenden Gewinnen (S z a b o,
Freihandel 16). Dieser sogenannte „Effektenkapitalismus“
hat zur ständigen Ausdehnung der Aktienbetriebe durch Kapitalser
höhungen oder Neugründungen und schließlich infolge des steigenden
Anlagebedürfnisses dazu geführt, daß das in den großen Banken konzen