Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

72 II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte.
Im allgemeinen wurden übrigens Blattgewächse, Handelsgewächse
 (Flachs, Hanf, Hopfen, Waid [Farbstoff]) in Außenfeldern,
 in großen Feldgärten, nicht im Turnus der Dreifelderwirtschaft
 gebaut. Natürlich sette technischen Fortschritten wie den
erwähnten der bestehende Flurzwang, der für das gesamte im
Gemenge liegende Ackerland Gleichzeitigkeit der Arbeiten verlangte,
 Hindernisse entgegen; der Fortschritt, der immer individuell
 ist, fand hier eine Schranke. Auch der Aufbau der landwirtschaftlichen
 Arbeiten auf Frondiensten konnte ein Hindernis
bilden, wenn diese, wie es meistens der Fall war, sich fixiert
hatten. Doch kommt dies Hindernis im deutschen Mittelalter
weniger in Betracht, weil ja die Frondienste überhaupt in der
landwirtschaftlichen Arbeit nicht die entscheidende Rolle spielten.
Allgemeinere Verbreitung als jene technischen Fortschritte
fand in unserer Periode zweifellos die stärkere Wertschätung
der Düngung. Die Pachtbriefe zeigen uns seit dem 13. Jahrhundert,
 wie viel Gewicht man auf sie legte.
Schließlich gedenken wir der weitern Ausbildung der schriftlichen
 Verwaltung in den Grundherrschaften. Die Urbare
erfahren eine Fortseßsung, Vermehrung, Vervollständigung.
Kopiare, Sammlungen der Besitßurkunden, werden angelegt.
Bemerkenswerte Dokumente stellen auch die seit dem 13. Jahrhundert
 zahlreich werdenden Pachtbriefe dar.
R].
Nachdem wir uns die Haupttatsachen der ältern deutschen
Agrargeschichte vergegenwärtigt haben, versuchen wir ein zusammenfassendes
 Urteil über ihre Bedeutung.
Im Vordergrund steht unsere Bewunderung für die Größe
der Arbeitsleistung, für den Ausbau gewaltiger Gebiete in Altdeutschland
 und die erstmalige Okkupation und den. verbesserten
Anbau nicht viel geringerer Flächen im kolonialen Deutschland.
U. B. vor St. Severin zu Köln (1901), Nr. 138 (Pachtbrief von 1453).
Zeitschrift des bergischen Gesschichtsvereins 15, S. 93 (Pachtbrief
von 1511). Lamprecht S. 562. Wopfner, Die Lage Tirols zu Ausgang
 des Mittelalters S. 23 (14. Jahrh.: Gegend von Bozen).
            
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