Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

III. Die Fürsorge des Staates für die Landaus
 einer landesherrlichen Zollstätte, oft auch (schon am Anfang
 des 13. Jahrhunderts) aus dem Ertrag der landesherrlichen
Steuern. In solchen Fällen handelt es sich natürlich häufig um
Einnahmen, die der Landesherr aus den Städten bezieht.
Eine wichtige Einnahmequelle der Ritter stellte insbesondere
auch ihr Burgenbesiß dar. Sie gestanden einem Herrn das
Öffnungsrecht betreffs ihrer Burg zu: wenn dieser Herr in
Fehde geriet, wurde ihm die Burg für seine Zwecke geöffnet.
Dies Öffnungsrecht wurde aber nicht ohne Entgelt eingeräumt.
Da die Burgen im Mittelalter von größter Bedeutung waren,
so hatten die Burgenbessitzer im öffentlichen Leben eine überaus
 einflußreiche Stellung. Eine Reihe von Vorrechten der
Ritter geht auf ihren Burgenbessitz zurück.
Durch diesen Umstand, daß die ritterliche Aristokratie des
Mittelalters sich nicht einfach aus Landwirten, sondern aus
Kriegern zusammensette, erklärt es sich offenbar wesentlich, daß
das Rittertum die Ausfuhrverbote und ähnliche Maßregeln
ruhig hinnahm.
Eigene Interessen, solche, die nicht mit denen des Ritters
oder anderer Stände zusammenfielen, konnte der Bauer politisch
 nicht viel geltend machen, da er auf den Landtagen meistens
nicht unmittelbar vertreten war. Seine geringe militärische
Brauchbarkeit bestimmte auch seine politische Zurücksezung.
Blieb die Heerespflicht des schlichten Bauern anerkannt, so
bedeutete sie doch sachlich kaum etwas, seitdem das Ritterheer
die Wehrverfassung beherrschte. Dagegen stellten die Städte
als Finanzmächte der Zeit auch militärisch etwas vor: überdies
kamen die Bürger unmittelbar im Kampf mehr als die Bauern
in Betracht.
Überraschen könnte es ferner, daß es bei der damaligen doch
geringen städtischen Bevölkerungszahl nötig war, sich so sehr
um die Getreidezufuhr zu bemühen, durch umständliche Gesetze
in dieser Beziehung die Landleute an die Städte zu binden;
und daß es überhaupt möglich war, daß die nicht eben volkreichen
Städte die ganze Menge des Getreides, das der Erzeuger nicht
aufbrauchte, für sich in Anspruch nahmen. Wir wundern uns

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