mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 1:71
zu hoch. Wenn er also nur von wirtschaftlichen Stufen spricht,
so hat er nichts weiter im Sinn, als den Verlauf der Wirtschafts-
geschichte für sich zu betrachten. Man darf diese Beschränkung
auf ein einzelnes Gebiet nicht tadeln. Wenn jemand, wie Bücher,
an eine geset mäßige Entwicklung glaubt, ist es anerkennenswert,
daß er nicht die Geltung von Gesetzen für die allgemeine Ge-
schichte behauptet, sondern sich damit begnügt, sie für einen Teil
derselben aufzusuchen!). Schmoller?) führt als Vorzug seiner
Klassifikation an, daß sie „vom Gesamtresultate der Erscheinungen
ausgeht“, während Bücher rein wirtschaftlich konstruiere, als
Ursache?) die foktschreitende Verkehrsentwicklung in den Mittel-
punkt rücke. Was soll man sich aber unter dem „ausgehen vom
Gesamtresultat der Erscheinungen“ denken? Schmoller hat
lediglich den Fortschritt in dem Subjekt der politischen Gewalt
geschildert, allerdings unter der Voraussetzung, daß mit dem-
selben eine Umwandlung aller wirtschaftlichen Verhältnisse
zusammenfalle.
Es bedarf nun weiter einer Feststellung, in welchem Sinne
Büchers Theorie der Wirtschaftsstufen gelten soll. Die Leser
der ersten Auflage seiner Vorträge haben, soviel bekannt ge-
worden ist, übereinstimmend den Eindruck gewonnen, daß er
eine durchaus ,historische Aufeinanderfolge“ schildern wollte.
Daher haben denn auch zwei Historiker, Edouard Meyer und
ich, an seinen Sätzen eine Kritik geübt, wie man sie an historischen
Arbeiten zu üben berechtigt und verpflichtet ist. Darauf ent-
gegnet Bücher im Vorwort der zweiten Auflage: „Jch bin wirk-
lich unschuldig daran, wenn die Herren nicht gemerkt haben,
daß in diesem Buche Virischaftstheorie und nicht Wirtschafts-
geschichte getrieben wird“; schon in der ersten Auflage sei ,die
') Vgl. Simmel, Jahrbuch für Gesetzgebung 1894, S. 1306 f.
2) Jahrbuch für Gesetzgebung 1893, S. 1261.
?) Hierzu ist zu bemerken, daß Bücher von „Ursachen“ gar nicht
sprechen will. Seine Absicht ist lediglich, die Etappen der wirtschaft-
lichen Entwicklung zu schildern. Er gibt nicht die fortschreitende Ver-
kehrsentwicklung „als Ursache“ an, sondern beschreibt den Fortschritt
in der Verkehrsentwicklung.