226 UU . Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
Nachdem wir an Büchers Darstellung so viel Abstriche gemacht
haben, freuen wir uns, hier noch eine Aufklärung erwähnen
zu können, die wir seinen Forschungen verdanken. Schon
in seinem grundlegenden Werk über die Bevölkerung von Frankfurt
a. M. (1886, Bd. 1 S. 228 f.) hat er sehr fruchtbare Gedanken
über den Unterschied der mittelalterlichen und der modernen
Arbeitsteilung ausgesprochen'). Die entscheidenden Sätze
lauten: „Die moderne Arbeitsteilung ist wesentlich Arbeitszerlegung
: sie läuft in der Regel darauf hinaus, daß die Zahl
der Hände, welche an der Fertigstellung des gleichen Produktes
arbeiten, vermehrt wird. Sie bedingt also eine zunehmende
Vergrößerung der einzelnen Betriebe. Die mittelalterliche
Arbeitsteilung dagegen ist Spezialisation oder Berufsteilung;
sie beruht darauf, daß aus einem umfangreicheren Produktionsgebiete
einzelne Teile ausgeschieden werden, um neue Berufsarten
zu bilden. Teilen konnte sich also die Arbeit nur insofern,
als die Zahl der Produkte, die jeder anfertigte, beschränkter wurde.
Die Teile aber bildeten fortan ebenso gut selbständige Erwerbszweige
wie ursprünglich das Ganze. So vermehrte die mittelalterliche
Arbeitsteilung fortgeseßt die Zahl der selbständigen
beruflichen Existenzen, während jeder Fortschritt der modernen
Arbeitszerlegung durch die damit gegebene Notwendigkeit einer
1) Näheres in dem Aufsatz: „Die Arbeitsteilung“, Entstehung
der Volkswirtschaft, 2. Aufl., S. 275 ff. S. 283: „Spezialisation oder
Berufsspaltung.“ S. 291: „Die Berufsbildung kommt bei uns im
frühen Mittelalter auf; die Hauptwirksamkeit der Spezialisation fällt
mit der Blüte des Städtewesens zusammen. Gleichzeitig beginnt die
Produktionsteilung; ihre ganze Kraft entfaltet die lettere aber erst
in der kapitalistischen Wirtschaft nach dem Aufkommen der Arbeitszerlegung
und der Atrbeitsverschiebung, welche beide sich kaum über
das 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen." S. 302 Anm. 1: „Die
Arbeitszerlegung stellt sich mit Notwendigkeit überall da ein, wo eine
große Arbeiterzahl zur Verfügung steht." Vgl. auch S. 150 f. Die
Hausindustrie (doch auch eine moderne Form) bedient sich freilich
nicht immer, namentlich in der ältern Zeit nicht, der Arbeitszerlegung
(Histor. V.j.schr. 1900, S. 136). Bgl. über die Arbeitsteilung übrigens
Harms, Volks- u. Weltwirtschaft S. 110; meine Bemerkungen H. Z.
115, S. 132.