228 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
Tatsache mit Nachdruck betont hat!), so ist es geschehen in konsequenter
Fortbildung der von ihm gewonnenen Erkenntnis,
daß der interlokale Austausch der Waren im Mittelalter so sehr
viel geringer war als heute.
In dieser und in andern Beziehungen wird es seit Bücher
nicht mehr möglich sein?), die Vorstellungen, die man vom
modernen Verkehrsleben hat, auf das Mittelalter zu übertragen.
Seine Aufsätze schärfen den Blick.. Das konsequente Durchdenken
einer historischen Erscheinung in allen ihren Zusammenhängen,
wie er es durch sein Vorbild lehrt, ist eine Tugend, nach der
auch der Historiker streben muß. Es wird sehr förderlich sein,
wenn der Forscher, der mittelalterliche Verhältnisse studiert, fich
stets die Frage vorlegt, ob dieser oder jener Handelsartikel
wirklich Gegenstand eines weiter reichenden Verkehrs ist oder
nur dem lokalen Austausch angehört. Man möchte Büchers
These, daß es, Ausnahmen abgerechnet, im Mittelalter „keinen
Güterumlauf gibt“, als heuristisches Prinzip êempfehlen. Nur
müßte man Fs:ch stets gegenwärtig halten, daß der Sat in seinenm
Sinne schon ein Urteil enthält, welches wir nicht anzuerkennen
vermögen.
_ Wenn wir im Gegenssatz zu Bücher bestreiten, daß die Stadt
annähernd alles, was sie nötig hat, selbst herstellt, annähernd
alles, was Jie herstellt, verbraucht, wenn wir geltend machen,
daß der Austausch. von einem Ort zu andern Orten beträchtlich
größer war, als er annimmt, und daß er die Bedeutung des
Kleinhandels für das innere Leben der Stadt unterschätztt, so verwerfen
wir darum doch nicht den Begriff der Stadtwirtschaft.
Man darf sagen: der Austausch von Ort zu Ort war im Mittelalter
im Verhältnis zu den heutigen Zuständen (erinnern wir
an den Massentransport von Kohlen, Getreide, Baumwolle) so
Wien 1, 437 Anm. 2, erklärt das sinnlose „amvar““ der Urkunde als
Druckfehler für „ainvar“ (einfarbig).
1) Eine Andeutung jener Tatsache findet sich schon in den. oben
S. 151 angeführten Sätzen Schönbergs.
2) Über Irrwege, wie sie vielfach vorgekommen sind, vgl. H. Z.
86, S. 62 Anm. 2.