306 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter.
Städtewesen und Bürgertum“ (1898) S. 117 machte ich gegen-
über meinem früheren Urteil noch eine Einschränkung: ,Als
fester Stand kamen Großhändler wohl nur in Seestädten vor.
Sonst waren die angesehenen Kaufleute meistens die Gewand-
schneider (Tuchhändler) und Krämer." Ühnlich spricht sich
H. Boos, „Geschichte der rhemischen Städtetultur“, Bd. 3
(1899), S. 111 aus: „In den meisten Städten des Mittelalters
hat es keine ansässigen Großkaufleute gegeben‘).
Im Jahr 1900 habe ich zum ersten Mal eine zusammen-
hängende Untersuchung über das Vorkommen von Großhändlern
im Mittelalter vorgelegt, eben die, welche hier in erweiterter
Gestalt von neuem zur Veröffentlichung gelangt. In der Haupt-
sache haben alle Forscher, die von ihr Kenntnis genommen haben,
der von mir vertretenen Auffassung zugestimml, die meisten
vollsständig?), einige mit einer gewissen Einschränkung?).
§ 1. Der erzwungene Großhandel.
Um einen festen Ausgangspunkt für unsere Untersuchung
über die Verbreitung der Großkaufleute im deutschen Mittel-
1) Auf die knappen, aber in mehrfacher Hinsicht zutreffenden
Bemerkungen von Stieda a. a. O., S. 109 komme ich unten zurück.
2) Vgl. z. B. Häpke, Schmollers Jx1hrbuch 1905, S. 1076; Dersj.,
Festschrift für D. Schäfer (1915), S. 830; Sieveking, Schmollers Jahr-
buch Bd. 26, S. 203 (für JFtalien); Sombart, Der moderne Kapitalis-
mus Bd. 1 (1. Aufl.), S. 177; Dänell, Jahresberichte der Geschichts-
wissenschaft 1900, II, S. 273; Gerlich, Geschichte und Theorie des
Kapitalismus (1913), S. 290 f.; Apelbaum, Basler Handelsgesell-
schaften im 15. Jahrh. (dazu Weltwirtsch. Archiv, Bd. 8, S. 200 ff.);
R. Boschan, Handel Hamburgs mit der Mark Brandenburg, Berliner
Dissert. 1907, S. 96; .Jos. Kulischer, Ztschr. f. Volkswirtschaft, Sozial-
politik u. Verwaltung, Bd.17, S. 227; H. Z. 91, S. 455 ff.; 96, S. 265f. ;
116, S. 506; Luschin v. Ebengreuth bei Zimmermann, Gesch. der Stadt
Wien II, S. 843; Stutz, Savigny-Ztschr. 21, S. 149; Al. Schulte,
H. Z. 86, S.141; 91, S. 456. S. auch unten S. 397 Anm. 1.
3) Auch Keutgen, mein Hauptgegner (Hansische Geschichtsblätter
1901, S. 65 ff.; V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1906, S. 286 ff.), weicht
in seiner Auffassung nicht stark von mir ab. S. unten S. 308.