Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

310 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter. 
oder eine bestimmte Zahl genannt!). Umgekehrt begegnet man 
auch in den Formeln der Konzessionierung zum Detailhandel 
oft einer Maßfestseßkung. Insbesondere das Recht zum Klein- 
verkauf des Tuches wird meistens mit den Worten verliehen: 
die Betreffenden dürfen das Tuch nach der Elle ausschneiden. 
!) Lehrreiche Mitteilungen über die im großen Verkehr üblichen 
Maße bei Stieda, Revaler Zollbücher und -quittungen des 14. Jahr- 
hunderts (Hansische Geschichtsquellen, Bd. 5), Einl. S. 121 ff. Die 
von ihm erwähnten Maße beziehen sich übrigens in erster Linie auf 
die Verzollung. Für den Tuchhandel sind besonders wichtig das 
„Stück" (auch bei Leinwand, Häuten und Wachs gebraucht), der 
„Terling“, das „Fardel“. S. darüber Stieda a. a. O., S. 121 und 
125; Nübling, Ulm S. 142; Geering, Handel und Jndustrie der Stadt 
Basel, S. 159; Walter Stein, Akten zur Geschichte der Verfassung 
und Verwaltung der Stadt Köln Bd. 2, S. 735; Haßler, Ott Ruland's 
Handlungsbuch (Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart, 
Bd. 1, Heft 4), S. 1 (Fardel bei Barchent); Stieda, Hangsisch-Vene- 
tianische Handelsbeziehungen im 15. Jahrhundert (Festschrift der 
Universität Rostock zur 2. Säkularfeier der Universität Halle a. S.) 
S. 116 f. Fardel von ital. kardello (Maultierlast; frz. kardeau). Je 
nach der Feinheit der Stücke umfaßte das Fardel eine verschiedene 
Anzahl Stücke. Mitteilungen über das sich danach bestimmende ver- 
schiedene Gewicht des Fardels bei Stieda an leßterem Orte. Lehr- 
reich ist die Verordnung des Kölner Stadtrats von 1409 bei Stein, 
S. 201 g 2: ,„„Vort so sall eyn yecklich wirt synen gast warnen. 
dat hey alle koufkmanschaff, dye hey bynnen Coelne brengt, gantz 
ind unverscheiden verkoufen sall, we sich dat an yecklicher kout- 
manschaftk heiseht ind geburt, datz zo verstain, dat sij verkoutken 
mogen eynen sack pefters, . .. eynen sack rijss, eine sportze (Korb) 
mandelen, . . . eyne balle papijrs, einen tzynder boymwollen, . . . eyn 
vas meilzukers ind potzukers, . . . 6 broit hards zukers, . . . 4 kop- 
pelen vijgen““ usw. (am Schluß: alle manyere van cleynre spitzeryen 
neit under 25 punden). S. auch ebenda S. 129. ,„„Potzuker““ ist 
Puderzucker, „ meilzuker‘’ Melassse, der Zucker in „Broten“ oder 
Laiben der in fester Form. Vergl. Geering, Mitteilungen aus dem 
Stadtarchiv von Köln, Heft 11, S. 48. Über die verschiedenen beim 
Feigenhandel üblichen Maße s. Stieda, Ztschr. für Lübeckische Ge- 
schichte, Bd. 6 (1892), S. 206 f. Meistens war der „Korb“ das Maß, 
welches im Großhandel für Feigen eingehalten wurde. Chroniken 
der deutschen Städte, Bd. 1, S. 102. Vgl. noch Ztschr. f. die Gesch. 
des Oberrheins, Bd. 4, S. 21: der Großverkauf der Leinwand ge- 
schah stück-, der Ladenverkauf ellenweise.
	        
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