Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

394 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter. 
Neben dem Unterschied der Zeiten ist der des Ortes von 
Wichtigkeit. Wir haben schon den. charakteristischen Zug des 
Mittelalters hervorgehoben, daß es im Gegenssaß zur Neuzeit 
eine Menge kleiner wirtschaftlichen Zentren kannte. Allein tro 
der verhältnismäßigen Gleichartigkeit der Verhältnisse in den 
einzelnen Städten gab es dennoch erstens Untersschiede von groß 
und klein und zweitens Unterschiede in der Art der wirtschaft- 
lichen Tätigkeit. Es haben, wenigstens im Lauf des Mittelalters, 
einige Orte die Stellung von speziellen Stapelpläßen für ge- 
wisse Waren gewonnen. Natürlich mußte sich danach auch der 
Handelsstand differenzieren. Hier bietet sich noch ein Feld für 
fruchtbare Untersuchungen. Es würde z. B. sehr lehrreich sein, 
zu verfolgen, in welchen Händen in Nürnberg der Handel mit 
Spezereien geruht hat. An dieser Stelle mag nur eine Bemer- 
kung über den Unterschied von Nord- und Süddeutschland Plat 
finden. Wir haben uns oben!) der Ansicht zugeneigt, daß die 
Verhältnisse des hansischen Handels dem Großbetrieb günstiger 
gewesen seien, als die des oberdeutschen. Es scheint hiermit in 
Widerspruch zu stehen, daß die Hanseaten im 16. Jahrhundert 
über die großen Handelsgesellschaften der oberdeutschen Städte 
und deren monopolistische Bestrebungen Klage erheben?). Es 
verhält sich in der Tat so, daß im 16. Jahrhundert im nieder- 
deutschen Gebiet sich nicht so gewaltige Großbetriebe befanden 
wie in Oberdeutschland. Indessen der Reichtum der großen ober- 
deutschen Handelshäuser war erst seit wenigen Jahrzehnten so 
hoch gestiegen; er hatte seinen Ursprung in verhältnismäßig 
momentanen Ursachen. Jene Angriffe waren in erster Linie 
Ausfluß der Handelseifersucht: die Hanseaten empfanden das 
Eindringen oberdeutscher Kaufleute in ihr Gebiet als unbequem? ). 
1) S. 344. 
2) Vergl. Frensdorff, Ztschr. der Savigny-Stiftung für Rechts- 
geschichte, Germ. Abt., Bd. 20, S. 127 ff. und S. 248. 
3) Bezeichnend ist der Unwille über Jakob Fugger, der Kupfer 
von Ungarn nach Danzig bringen will. Vergl. Frensdorff a. a. O. 
und Kluckhohn, Historische Aufsäße dem Andenken an G. Waitz ge- 
widmet (Hannover 1886), S. 687. Die Oberdeutschen (Nürnberger)
	        
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