Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 4 39 
herangezogen, in denen er sehr fein die Unentbehrlichkeit der be- 
grifflichen Schulung schildert, übrigens mit dem vollen Bewußt- 
sein der Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Das empirische Ma- 
terial bildet natürlich immer die Grundlage. Aber mit dem 
bloßen Material an sich ist noch nichts anzufangen; es kommt 
immer auf die Bearbeitung an. Das Prinzip, „die Quellen reden 
zu lassen“, ist in jeder Hinsicht ein Unsinn. In Sombarts „Ka- 
pitalismus“ wird nun wiederum jene Forderung der begriff- 
[lichen Durchdringung des Stoffes mit großer Energie erhoben. 
Auf dem Titelblatt steht als Motto das Wort Kants: „Ge- 
danken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind 
blind.“ Der Einleitung ist als Motto die alte Pädagogenregel 
gegeben: „Qui bene distinguit. bene docet“’. Das hierin aus- 
gesprochene Prinzip beherrscht das Buch durchweg, wird in ver- 
schiedenen Variationen vorgetragen, mitunter in der Form feiner 
Jronie, wie wenn Sombart einmal sagt, er gehöre zu den alt- 
modischen Leuten, die nur die Genesis von etwas darstellen 
können, von dem s ie genau wissen, was darunter zu verstehen 
ist. Ich stehe nicht an, mein Einverständnis mit solchen Sätzen 
seines Buches auszusprechen, wie ich mich schon früher mit seinen 
ältern Ausführungen einverstanden erklärt habe. Es wird auch 
niemand leugnen können, daß der bedeutende Eindruck, den das 
Buch macht, wesentlich das Produkt einer sehr ernsthaften Be- 
folgung jener Forderung ist. Sombart sett sich für seine Dar- 
stellung ein besonderes Ziel, läßt es auf keiner Seite aus dem 
Auge, strebt überall danach, die Schlacken des rohen Materials 
zu beseitigen, die Dinge scharf zu unterscheiden, alles in helle 
Klarheit zu sezen. Sein Werk zeigt ~ zunächst in formaler Be- 
Artikel: „Jst die Schweiz ein Paßsstaat?“ Beilage zur Allg. Zeitung 
1903 Nr. 56 (vom 10. März), in dem ich zeige, daß die mehrfach ge- 
äußerte Anschauung, die Schweiz sei als Paßsstaat emporgekommen, 
großenteils auf dem Mangel an präzisen Vorstellungen beruht. 
In meinem Sinn spricht sich in der betr. Frage auch Redlich, Rudolf 
v. Habsburg S. 586 aus. Es handelt sich hier um eine Frage aus 
der historischen Geographie, welche ihrerseits natürlich auch nicht auf 
Sauberkeit und begrifflich klare Darstellung verzichten kann. West- 
deutsche Zeitschrift 1913, S. 394.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.