Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

38 II. Die Haupttatssachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 
Die früher herrschende sog. ,„hofrechtliche Theorie“ hat ent- 
scheidende Verdienste der Grundherrschaft um die Arbeitsteilung 
namentlich auch in der Richtung gesehen, daß die einzelne Grund- 
herrschaft innerhalb des Kreises der von ihr abhängigen Leute 
das System der gewerblichen Arbeitsteilung durchführte und 
daß hier die gewerbliche Arbeitsteilung zuerst Fuß gefaßt habe. 
Es verhält sich jedoch so, daß diese überwiegend unabhängig 
von den Grundherrschaften und neben ihnen sich ausbildet. 
Die berufsmäßigen Schmiede, Weber und Töpfer sind nicht 
erst innerhalb der Grundherrschaften aufgektommen. Gleich- 
wohl besißen diese Bedeutung auch für die Förderung der ge- 
werblichen Arbeitsteilung, indessen nicht in erster Linie durch 
Schaffung entsprechender planmäßiger Einrichtungen in ihrem 
eigenen Betrieb, sondern dadurch, daß sie sich in ihrer Lebens- 
auffassung neue Ziele setzten und in Folge des ihnen zufließen- 
den Wirtschaftsüberschusses in der Lage waren mehr von aus- 
wärts zu kaufen als der gemeinfreie Bauer. Wenn die schlichteren 
Bedürfnisse an gewerblichen Gegenständen innerhalb der Grund- 
herrschaft selbst vielleicht hergestellt wurden, so bezog sie doch 
die wertvolleren von außen her. Und auch das erstere sogar 
gilt nur für die größeren Grundherrschaften; der einfache Ritter 
etwa hatte nicht so viel Grundbesit, daß er auf ihm Kräfte für 
die Herstellung gewerblicher Erzeugnisse halten konnte. Die 
kostbaren Waffen der Helden- und Ritterzeit z. B. sind jeden- 
falls auf dem freien Markt erworben worden. Allein es geschah 
doch eben im engsten Zusammenhang mit der sich vollziehenden 
wirtschaftlichen Differenzierung, daß neue Bedürsnisse auf- 
kamen und die Möglichkeit geschaffen wurde, sie zu befriedigen. 
Den Fortschritt der Besiedlung, den Ausbau des Landes 
hat man gleichfalls oft einseitig auf planmäßige Kolonisations- 
arbeiten der Großgrundherrschaften zurückgeführt. Indem wir 
nur kurz darauf hinweisen, daß sie die Leitung der Besiedlung 
höchstens von dem Zeitpunkt an in der Hand gehabt haben 
könnten, indem s ie überhaupt im Wirtschaftsleben in den Vor- 
dergrund treten, heben wir hervor, daß auch von da ab die Tätig- 
keit des Bauern neben dem Grundherrn und unabhängig von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.