Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

56 II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte. .
solche komplizierteren Lieferungen insbesondere den Hörigen
obliegen, die ja von der Herrschaft mit Grundbesitz ausgestattet
sind. Die Pacht, welche, wie wir gesehen haben, seit der Auflösung
 der Villenverfassung den Zins in weitem Umfang verdrängt,
 wird teils zusammen in Geld und Naturalien gezahlt,
meistens in Naturalien.. Besonders verbreitet ist die Teilpacht,
die Ablieferung eines Teils (der Hälfte, eines Drittels) des Rohertrages.

Die grundherrlichen Frondiensste sind, wie wir uns schon
überzeugt haben, nicht beträchtlich. Die Frondiensste der Leibeigenen
 spielen eine noch geringere Rolle. Am beträchtlichsten
sind die gerichtsherrlichen Frondienste. Sie unterscheiden sich
von den grundherrlichen dadurch, daß sie die Staatsfronden
(für Burgen-, Brücken-, Landstraßenbau und für Heereszwecke)
mit umfassen. Gerichtsherrliche Frondienste werden aber auch
für rein landwirtsschaftliche Zwecke verlangt, allerdings weniger
für unmittelbare Ackerbauzwecke (weil eben die Hofländerei
in Altdeutschland von geringem Umfang war) als für den Wiesen-,
Weinbau, die Waldwirtschaft, für Transporte, die mit diesen
Dingen zusammenhingen, und für sonstige Transporte.
Verhältnismäßig wenig entwickelt ist in Altdeutschland der
Gesindezwangsdienst im Sinne des häuslichen Gesindediensstes.
Im Gegensatz zu ihm spielt die freie Lohnarbeit eine große Rolle.
Wenn sie im grundherrlichen Haushalt mit dem Gesindezwangsdienst
 zusammentraf, so herrschte sie im bäuerlichen Haushalt
allein, und die bäuerlichen Betriebe machen ja die Hauptsache
in der Landwirtschaft Altdeutschlands aus. Auch die Hofländerei
 eines Fronhofes war seit der Auflösung der Villenverfassung
 ganz gewöhnlich einem Bauern zu Pacht oder Zins
übertragen. Die Hilfskräfte des Bauern im Haushalt und in
der landwirtschaftlichen Arbeit stehen, soweit sie nicht von seinen
Familienangehörigen gestellt werden, im freien Dienstvertrag,
da nur der Grundherr, nicht der Bauer Unfreie besitt. Aber
über den bäuerlichen Betrieb hinaus werden auf den mannigfaltigsten
 Gebieten Arbeiter als freie Lohnarbeiter verwendet.
Ganz irrig ist die Anschauung, daß die mittelalterliche Arbeit
            
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