Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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übermäßig zurückdrängt, der in unseren gebildeten Kreisen bei der 
Erziehung meistens methodisch bekämpft wird, um den idealen Sinn 
zu entwickeln. In Nordamerika ist man dagegen allgemein bestrebt, 
schon früh den Sinn für Erwerb und Selbständigkeit zu wecken. Der 
Knabe erhält kein Taschengeld, sondern Gelegenheit, sich etwas zu 
verdienen. Er erhält ein paar Apfelbäume, deren Ertrag er für sich 
pekunlär verwerten kann; bei Gelegenheit werden ihm Waren, billige 
Schmucksachen überwiesen, um sie öffentlich zu verkaufen. Ja, man 
sieht Knaben aus wohlhabenden Häusern Bücher, Zeitungen kolportieren, 
wodurch sie an die Erwerbsthätigkeit gewöhnt werden sollen. Ist das 
unserer Lebensauffassung durchaus zuwider, so erklärt es die hohe 
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den entwickelten Geschäftssinn 
les amerikanischen Volkes, während auf die entgegengesetzte Erziehung 
in Deutschland der übermäßige Zudrang zu allen Beamtenstellen 
zurückzuführen ist. In Deutschland wird der junge Mann während 
seiner Studien und vielfach bis in ein hohes Lebensalter von den 
Eltern unterstützt und bleibt von ihnen abhängig. In Amerika ist es 
selbstverständlich, daß der junge Mann, der die Schule verlassen hat, 
sich selbst unterhält. Er wird aus pädagogischen Rücksichten dazu 
angehalten, auch wo die Mittel reichlich vorhanden sind, um ihn 
selbständir werden zu lassen. Die Tochter erhält in der Regel keine 
Mitgift. Es ist selbstverständlich, daß der Mann erst heiratet, wenn 
er die Frau ernähren kann, oder sie sich selbst das Nötige verdient, 
was dort allerdings leichter ist als hier. Die beschämenden Geld. 
heiraten fallen aber damit fort, und der Unabhängigkeitssinn wird vor- 
züglich ausgebildet. 
S 15. 
Das Kamvital. 
Carl Knies, Das Geld, Kap. 1. Berlin 1873. 
CO. Menger, Zur Theorie des Kapitals, Jahrb. f. Nat. 1888, N. F., Ba, XV. 
a X .Eöhm-Bawerk, Kavital und Kapitalzins, Innsbruck 1884 u. 1889, Bd. I 
un . 
Umpfenbach, Das Kapital in seiner Kulturbedeutung. Würzburg 1879. 
J. B. Clark, Capital and its earning. Amer. econ. Assoc. 1888. 
Patten, The fundamental idea of capital. Quat, J. of Economics 1889. 
Ach. Loria, Analisi della proprieta capitalistiea. "Porino 1889 
Unter Kapital verstehen wir den Teil des Vermögens, welcher, Definition 
selbst Produkt menschlicher Arbeit, wieder zur Produktion bestimmt des Kapritals. 
ist. Nach dem Sprachgebrauche liegt sowohl der Begriff des Vorrats 
{für künftige Nutzung, wie der des Erwerbsmittels darin, und je nach- 
dem die eine oder andere Seite von dem Autor als in höherem Maße 
bedeutungsvoll angesehen wurde, sind die Definitionen sehr verschieden 
ausgefallen. Uns erscheint es vor allen Dingen notwendig, das Kapital 
den anderen Produktionsfaktoren gegenüberzustellen und außerdem 
den Begriff scharf in sich abzugrenzen. Deshalb legen wir Gewicht 
darauf, das Kapital in bestimmten Gegensatz zur Natur zu stellen und 
ihn nicht mit dem des Vermögens zusammenfallen zu lassen, sondern 
ihn ausdrücklich als einen Teil des Vermögens vom Vermögen selbst 
zu unterscheiden. Eben deshalb sind nur Güter darunter zu begreifen, 
welche der Mensch selbst für seine Zwecke hergestellt hat. Das ist der 
Fall ebenso bei dem Kieselmesser aus der Steinzeit, wie bei einer großen 
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