die Bekämpfung und Überwindung der Wohnungnot
nachdrücklich und umfassend in Angriff genommen wer-
den muß, wissen wir alle. Die Forderung, ein Wohnung-
programm für das gesamte Reich aufzustellen, das sowohl
den Wohnungbedarf, wie die finanzielle Leistungfähigkeit,
den Hypothekenmarkt, die Leistungfähigkeit der Baustoff-
industrie, des Baugewerbes und die Zahl der Bauar-
beiter in den nächsten Jahren berücksichtigt, ist offenbar
von Laien erhoben worden und würde auf eine Ver-
zögerung der Hilfe hinauslaufen.
I!. kann nicht sagen, daß die Schlußfolgerungen,
zu denen die Reichszentrale für den Heimatdienst
bei ihrer Untersuchung der Wohnungfrage gekommen ist,
sehr ermutigend sind. Sie besagen nichts weiter als: die
früheren Hypothekengläubiger sind mit einem Bruchteil
ihrer Ansprüche abgefunden worden. Der zum Schutze
des Eigentums verpflichtete Staat hat sich an ihre Stelle
gesetzt. Er nimmt die den Hypothekengläubigern entzo-
genen Einkünfte als Hauszins- oder Gebäudeentschul-
dungsteuer 'an sich und verschafft mit einem Teil davon
anderen Leuten billige Wohnungen. Ein Verfahren, das
einigermaßen dem des heiligen Crispins gleicht, der Le-
der gestohlen haben soll, um daraus Schuhe für die Armen
zu machen. Es wird uns trotzdem vorläufig nichts weiter
übrig bleiben, als bei diesem fragwürdigem Rezept zu
bleiben und die nicht minder unerfreulichen Zugaben, die
Wohnungämter mit ihrem Beamtenheer, das unterbinden
der privaten Bautätigkeit u. a. m. in den Kauf zu nehmen,
um noch größeren übeln zu entgehen.
Die Vorschläge der Denkschrift sind aber in einigen
wichtigen Punkten zu ergänzen. Die erste Forderung muß
sein, daß die großen Kapitalien, die als Baudarlehen aus
den Erträgen der Gebäudeentschuldungsteuer gegeben wer-
den sollen, nur an durchaus bewährte Unternehmer kom-
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