fullscreen : Die Social-Demokratie

Aus  dem  Leben  Ferdinand  Lasialle's.  225
22.  Mai  1863  die  Gründung  des  „Allgemeinen  deutschen
Arbeitervereins"  und  gilt  heute  noch  als  Evangelium  der
deutschen  Social-Demokraten.  Auf  fünf  Jahre  zum  Präsidenten ­
  jenes  Vereins  erwählt  übte  Lasialle  in  dieser  Stellung ­
  trotz  seines  demokratischen  Princips  eine  beinahe  diktatorische ­
  Gewalt  aus.  Er  selbst  spricht  sich  über  seine  Präsidentschaft ­
  also  aus:  „Ihr  habt  mir  diese  Autorität  zwar  auf
fünf  Jahre  anvertraut,  allein  Ihr  wißt,  daß  ich  sie  von  selbst
niederlegen  würde,  wenn  irgend  eine  Unzufriedenheit  oder
eine  Mißstimmung  ausbräche,  und  diese  auf  höchster  fortgesetzter ­
  Freiwilligkeit  beruhende  Autorität  reicht  hin,  um  Euch
allemitsammt  handeln  zu  lasten,  wie  geleitet  durch  einen
elektrischen  Funken  —  —  Die  beiden  Gegensätze,  die  unsere
Staatsmänner  bisher  für  unvereinbar  betrachteten,  Freiheit
und  Autorität  —  die  höchsten  Gegensätze,  sie  sind  auf  das
Innigste  vereinigt  in  unserem  Vereine,  welcher  so  nur  das
Vorbild  im  Kleinen  unserer  nächsten  Gesellschaftsform  im
Großen  darstellt!  Nur  durch  die  Diktatur  der  Einsicht
können  die  großen  gewaltigen  Ucbergangsarbeiten  der  Gesellschaft ­
  bewerkstelligt  werden."  Es  hätte  aber  auch  keine  andere ­
  Stellung  dem  Charakter  Lasialle's  entsprochen,  der  ganz
und  gar  zum  Herrschen  angelegt  war.  Er  wollte  lieber
alles,  was  sich  ihm  entgegen  stellte,  zu  Staub  zerreiben,  als
nachgeben  und  sich  unterordnen;  und  wo  sein  Stolz,  seine
Eitelkeit  verletzt  worden  waren,  da  konnte  er  rachedurstig
aufbäumen,  wie  ein  verwundeter  Tiger.  Die  angeführten
Worte  Lasialle's  sind  aber  auch  die  beste  Interpretation  der
von  den  Führern  des  „Allg.  deutschen  Arbeiter-Vereins"
stets  festgehaltenen  Forderung,  die  „Organisation"  Lasialle's
nicht  zu  verlasien.  Man  will  die  beinahe  diktatorische  Gewalt, ­
  welche  der  Präsident  dieses  Vereins  unter  dem  Schein
demokratischer  Freiheit  ausübt,  nicht  preisgeben,  und  darum
Schuster,  Die  Social-Demokratie.  15
            
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