Full text : Leistung und Wert

— 194. —
Obligationenschuld kommt mit der vollen Rückzahlungssumme zur
Einstellung; ein etwa bestehendes Abgeld-(Disagio)konto fällt weg.
Zu den Verbindlichkeiten gehören auch die Kosten der Liquidation,
die, wenn dies möglich, überschlagsweise einzustellen sind. Unterscheiden
 wird sich die Liquidationsbilanz der Kapitalgesellschaft
von der regelmäßigen Bilanz in Bezug auf die Behandlung des Kapitals.
 Die regelmäßige Bilanz kennt Rücklagen, Fonds u. dgl. Mit
der Auflösung fallen die Zwecke der Rücklagen, der Fonds weg, sie
vereinigen sich einschließlich eines Gewinnvortrags mit dem Kapital.
 Nur wo aus einem Fond Rechtsansprüche an die Gesellschaft
bestehen, sind sie unter die Verbindlichkeiten aufzunehmen. Das
Kapital wird nun eine einheitliche Größe, das Liquidationskapital.
Demgemäß hebt das Handelsgesetzbuch als dem Wesen der Liquidation
 widerstreitend die Bestimmung auf, daß das Aktienkapital
und die Rücklagen unter die Passiven besonders eingesetzt werden
müssen. Der Zweck dieser Vorschrift, Aktive zu binden, sie in Höhe
des Kapitals vor der Verteilung zu bewahren, nur den verteilbaren
Gewinn auszuweisen, fällt jetzt weg. Das ganze Kapital soll ja
verteilt werden. Eine regulierende Bedeutung behält das Grundkapital
 dahin, daß es zeigt, wie der Liquidationserlös zu verteilen
ist. Die Verteilungsanteile können verschieden sein, wenn einzelnen
Gesellschaftern für den Liquidationsfall Vorzugsrechte eingeräumt
wurden. Das ist jedoch ohne Einfluß auf den Bau der Bilanz. Will
man in dieser dem Grundkapital eine Stelle geben, so kann dies in
folgender Weise geschehen:
Liquidationskapital
Aktienkapital 1.200.000
Liquidationskapitalüberschuß 325.912 1.525.912
Liquidationskapital
Aktienkapital 1.200.000
Fehlbetrag 178.623 1.021.377,
Eine andere Form wäre:
Liquidationskapital 1.625.873
woran beteiligt 110 Genußscheine
1330 Vorzugsaktien
170 Stammaktien
Bei der offenen Handelsgesellschaft zerlegt sich das Liquidationskapital
 in die Anteile der Gesellschafter gemäß dem durch
die letzte ordentliche Bilanz festgestellten Verhältnis.
Ist die Liquidationskapitalnachweisung aufgestellt, so wird
sie von der letzten ordentlichen Bilanz, unter Umständen erheblich,
abweichen. Die Buchhaltung ist noch auf die letztere eingestellt.
Es wirft sich die Frage auf, ob sie auf die Liquidation umgestellt
werden soll und wie dies zu geschehen hat. Ehe diese Frage beantwortet
 werden kann, muß eine andere Frage Erledigung finden, wie
denn der Zeitabschnitt behandelt werden muß, der seit dem Tage,
für den die letzte ordentliche Bilanz aufgestellt worden ist, bis zu
dem Tage der Auflösung, für den die Liquidationsbilanz aufzustellen
            
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