Kollektaneen
3. Was aber schon von jedem Studium gilt, hat bei den
positiven wissenschaftlichen Forschungsarbeiten doppelte und
dreifache Berechtigung. Es wäre geradezu Torheit, sich bei
einem solchen Arbeitsfeld für die überall zu erwartende
reiche Ernte auf die kleine Scheuer des Gedächtnisses ver-
lassen zu wollen. Wem die mit flüchtiger Hand erhaschte
Garbe zu seiner Ernte genügt, der möge immerhin auf die
mühsame Arbeit der Kollektaneen verzichten. Er wird sich
aber auch die harten Worte des alten. Drexel gefallen
lassen müssen: „Licebit quidem non excerpere, sed licebit
etiam plurima nescire, innumera oblivisci, paene omnia in-
cassum legere; licebit tempus frustra terere et optimas
horas pessime perdere“, und sich jenen anschließen, als
deren Wahlspruch er die Worte anführt: „Lectores esse
otiosi volumus: ita dum alimus desidiam, fovemus igno-
rantiam“*!). „Adversus hunc torrentem obluctari fatuum est“,
dürfen wir mit dem gleichen Autor beifügen?).
50. Gegenstand. Die erste Frage bei der Anlage
einer Stoffsammlung bezieht sich auf den Gegenstand: Was
soll man für die Kollektaneen aufzeichnen ?
Für die Beantwortung dieser Frage im einzelnen muß
zunächst wiederum das Thema und der besondere Zweck
einer Arbeit den Ausschlag geben. Denn von diesem Ziel
des Studiums wird in jedem einzelnen Falle das Urteil be-
einflußt, ob etwas aus den Quellen als beachtenswert auf-
zuzeichnen ist oder nicht. So wird die gleiche Quellen-
schrift für eine philologische Frage eine ganz andere Aus-
beute gewähren als für eine historische oder philosophische
oder theologische Erörterung.
Gewisse allgemeine Gesichtspunkte werden aber hin-
sichtlich des Gegenstandes von jedem Sammler beachtet
werden müssen.
1. Schon Aulus Gellius (um 130 n. Chr.), auf den auch
Sacchini und Drexel hinweisen, tadelt in der Vorrede zu seinen
1) Jerem. Drexel, Aurifodina 1 c. 9 p. 93; c. 10 p. 108.
?) Ders. ebd. p. 93.
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