Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Textes „+
ist, von dem Zeiturteil unterscheiden könne“ (Handbuch 1, 2 p. VID). Er
erinnerte zB. beim Bericht über den Seesturm „an die vorher schon
bemerkte und oft anwendbare Regel, daß immer die erzählte Tat-
sache von dem erzählten Urteil der Teilhabenden wohl zu un-
terscheiden ist“ (Leben Jesu 1, 1,229).
2) Die Theorie läßt uns ganz im Stiche in allen Fällen, die wir
weder als Betrug noch auch „mit Hilfe der Psychologie und Medizin
als natürliche Vorgänge gewisser nervöser Erscheinungen erklären kön-
nen“, wie zB. bei den durchaus glaubwürdig berichteten Naturwundern
Jesu. Wenn man solchen Berichten nur die Behauptung entgegenhält:
„Daß ein Seesturm durch ein Wort gestillt worden ist, glauben wir
nicht und werden es nie wieder glauben“ (A. Harnack, Das Wesen des
Christentums 18), so wird man darin keine wissenschaftliche Kritik
des Berichtes finden können.
3) Zu der unbezweifelbaren Tatsächlichkeit eines wunderbaren
Vorganges gehören in sehr vielen Fällen nicht bloß das Wesentliche
dieser Tatsache, sondern auch die von den gleichen zuverlässigen
Zeugen mit derselben kritisch unanfechtbaren Glaubwürdigkeit berich-
teten Umstände, unter denen der Vorgang sich ereignete. Ein typi-
scher Fall ist zB. die plötzliche und vollkommene Heilung des flämmi-
schen Arbeiters Peter de Rudder, welche am 7. April 1875 in dem
belgischen Örtchen Oostacker erfolgte, nachdem seit dem 16. Februar
1867 sein Schien- und Wadenbein etwas unterhalb des Knies völlig
abgebrochen waren und zwei große eiternde und krebsarlige Wunden
sich an der Bruchstelle und auf dem Fußrücken gebildet hatten. Un-
bezweifelbare Zeugnisse bestätigen bei dieser Begebenheit nicht bloß
das Wesentliche, nämlich die Heilung des zerbrochenen Beines, sondern
auch die einzelnen Umstände, unter denen diese Heilung plötzlich und
ohne Anwendung irgendwelcher natürlicher Mittel erfolgte. Die Zeug-
nisse und Aktenstücke nebst Photographien sind von drei Ärzten ver-
öffentlicht worden in der Schrift: „Guerison subite d’ une fracture.
Recit et etude scientifique par L. van Hoestenberghe, Doecteur en mede-
cine, K. Royer, Docteur en medecine, 4. Deschamps S. J., Docteur en
medecine et en sciences naturelles“ (Bruxelles 1900, L. Lagaert). Einen
Auszug daraus bot Erich Wasmann in: „Stimmen aus Maria-Laach“ 58
(1900, 1) 113—28. Eine Unterscheidung zwischen der Glaubwürdigkeit
der Zeugnisse hinsichtlich der Heilung an sich und der Umstände, unter
denen sie erfolgte, ist kritisch durchaus unzulässig. Diesen Umständen
gegenüber aber nützt die Unterscheidung zwischen der 'Tatsächlichkeit des
Vorganges und der Auffassung der Zeugen gar nichts. Denn eine Hei-
lung des zerbrochenen Beines und der eiternden Wunden unter diesen
konkret feststehenden und bewiesenen Umständen kann keine Psycho-
logie und keine Medizin noch auch irgendeine andere Wissenschaft als
natürlichen Vorgang gewisser nervöser Erscheinungen erklären. Die
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