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Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
jedes Wegfallen dieser Stützen, dieses Erziehungsprozesses die Existenz dieser Züge des
Charakters bedrohe. Wir werden annehmen, daß, um je feinere und individuellere
Züge es sich handele, desto weniger die Umbildung in erbliche Eigenschaften gelinge,
desto ausschließlicher die Wirkung des Milieu sei. Aber eine gewisse Grenze haben alle
diese Einflüsse doch. Ribot sagt: Die Erziehung gestaltet um, aber sie schafft nicht;
sie wirkt mehr auf die mittleren, als auf die hoch- und niedrigstehenden Individuen;
sie bleibt mehr ein Kleid, ein Firnis gegenüber dem Ererbten.
Alle Erziehung, aller Einfluß der Umgebung ist eine neue, nur kurz dauernde
Wirkung; in den ererbten Rasseeigenschaften steckt eine angehäufte, befestigte Wirkung
don Jahrhunderten und Jahrtausenden. Und deshalb ist die Rassenmischung so tief—
zreifend, auf die wir nun noch einen Blick werfen. —
Wir verstehen unter Rassenmischung den geschlechtlichen Verkehr, der zwischen
den Mitgliedern verschiedener Rassen und Völker stattfindet und die Erzeugung von
Mischlingen zur Folge hat. Sie findet statt, wo verschiedene Rassen und Völker infolge
von Eroberung und Unterwerfung, von Ein- und Auswanderung durcheinander wohnen,
wo durch Sklaveneinfuhr, durch Raub- und Kaufehe, wo an Grenz- und Handelsplätzen
eine gemischte Bevölkerung vorhanden ist. Sie entfernt sich, wo ganz nahe verwandte
Rassenelemente sich mischen, von der gewöhnlichen Blutsmischung größerer Völker nicht;
denn diese haben stets etwas verschiedene Elemente in sich, wie es z. B. Engländer und
Schotten sind. Wo es sich um die Mischung weit abstehender Rassen handelt, wie
z. B. bei der von Kaukasiern mit Negern, Australiern und Indianern, muß sie ganz
andere Folgen haben.
Es ist damit schon ausgesprochen, welche verschiedenen thatsächlichen Verhältnisse
mit dem Worte Rassenkreuzung umfaßt werden. Und es ist damit auch begreiflich,
wenn verschiedene Gelehrte, welche das eine oder das andere Extrem dieser thatsächlichen
Mischungen im Auge haben, über die Folgen so ganz Verschiedenes aussagen. Stets
aber handelt es sich um die Thatfache, daß Menschen verschiedener Rasse oder Volkes,
d. y. also von erheblicher körperlicher und geistiger Verschiedenheit, aus verschiedenen
Lebensbedingungen, aus verschiedenem Klima ursprünglich stammend, mit sehr verschieden
vererblichen Anlagen Kinder zeugen; und es ist klar, daß damit eine Möglichkeit so
starker und rascher Variation entsteht wie sonst niemals. Es werden Menschen geboren,
die in sich einen gemischten Typus darstellen und einen neuen schaffen, wenn die Mischung
eine umfangreiche und fortgesetzte ist. Zugleich ist aber naheliegend, daß Menschen
entstehen, die zunächst mehr oder weniger unausgeglichene körperliche und geistige
Gegensätze in sich vereinigen; und sie sollen nun in einer Gesellschaft leben und wirken,
welche außer ihnen die zwei oder mehr verschiedenen älteren Rassentypen in sich enthält,
wodurch für alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einrichtungen die größten
Schwierigkeiten sich ergeben; zu den heterogenen Rassetypen kommen verschiedene sittliche
und geistige Atmosphären. Stets handelt es sich um einen schwierigen, meist lange
dauernden phyfiologisch-körperlichen und gesellschaftlich-geistigen Verschmelzungsprozeß.
Für beide ist es klar, daß sie um so leichter gelingen, um so rascher zu einem
tüchtigen neuen, ausgeglichenen Rafsentypus und Gesellschaftszustand führen können,
wenn der Abstand der gekreuzten Elemente ein geringer war. Die großen historischen
Beispiele günstiger Rassenkreuzung liegen hier: die Mischung der olivenbraunen, mon—
goloiden Malayen mit den negerartigen, schwarzen Papuas hat die kräftigen melane—
äschen Völker, die der Türken mit Tataren und Kaukasiern den kriegstüchtigen Osmanen—
stamm, die von Negern und Arabern im nördlichen Afrika Völker geschaffen, die weit
iber den Negern stehen. Im Großrussen ist mongolisches, im Norddeutschen slavisches,
im Nordfranzosen deutsches Blut und nicht zu ihrem Schaden; im Engländer haben
keltische und nordgermanische Elemente eine Herrschernation von seltener Kraft und
Fähigkeit erzeugt. — Immer darf auch fur diese Mischungen nicht übersehen werden,
daß der ausgeglichene neue Völkertypus erst das Werk von vielen Generationen war,
daß lange große Schwierigkeiten, häßliche Zwittererscheinungen, schwere Kämpfe den
qünstigen Folgen vorausgingen.