fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

552 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
sönlich mit seinen jungen Söhnen Joseph und Karl auf einem 
Reichstage zu Preßburg, um die Verhältnisse des Landes zu 
ordnen: es war wie eine Wiederholung jener weit zurückliegenden 
Vorgänge deutscher Kaiserzeit, in denen Ottonen und Salier 
in die magyarischen Geschicke eingegriffen hatten. Das Wahl— 
recht zur ungarischen Krone wurde aufgehoben, dem Adel aber 
im übrigen die Unsumme seiner alten Privilegien — mit Aus— 
nahme des einen zu bewaffnetem Widerstande gegen vertrags— 
widrige Akte der Krone — bestätigt; und selbst die Protestanten 
erhielten eine wenn auch beschränkte Duldung — auch diese 
übrigens nur gegen den Widerspruch der magyarischen Bischöfe. 
Zum Abschlusse dieser Verhandlungen aber, in denen erst 
Ungarn recht eigentlich für das Haus Habsburg gewonnen 
wurde, erfolgte, am 8. Dezember 1687, die feierliche Krönung 
des achtjährigen Erzherzogs Joseph zum König von Ungarn 
nach dem neuen Königsrecht, das die Stephanskrone dem 
Mannesstamme des Hauses Habsburg, und zwar auch der 
spanischen Linie, erblich zusprach. 
Die territoriale Ausgestaltung einer neuen österreichisch— 
ungarischen Monarchie war errungen, die räumliche Basis einer 
modernen deutsch-habsburgischen Großmacht gelegt. 
Es waren Erfolge, denen ein erhöhter Aufschwung des 
kaiserlichen Ansehens im Reiche und damit ein Wiederaufleben 
des Reichsgedankens überhaupt parallel lief. Wie stand doch 
Osterreich jetzt im Vordergrunde der Weltangelegenheiten gegen— 
über Frankreich; grollend und mißmutig ertrug Ludwig XIV. 
die Wendung der Dinge. Und schon trat er mict bloß zurück; 
das Glück wandte sich gegen ihn. Gegen Ende der achtziger 
Jahre unterzog sich Osterreich dem Wagnis, neben dem Kampfe 
im Osten auch den im Westen gegen den dritten Raubanfall 
aufzunehmen, den Ludwig im Jahre 1688 begonnen hatte. 
Und wir wissen schon, mit welchem, wenn auch erst in lang— 
wierigen Verhandlungen und Feldzügen gewonnenen Erfolge. 
Alle Sympathien im Reiche fielen ihm zu; am 12. Mai 1689 
schloß es unter günstigen Bedingungen ein Bündnis mit den 
Niederlanden, dem am 9. September desselben Jahres der
	        
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