Full text: Die deutsche Wirtschaft

Bei Leopold Merzbach: 
pelung für mehrere Aktien eine neue ausstellen müssen, Einzelaktio- 
näre wären dadurch, wenn ihnen die Mittel zum Einkauf von Spitzen 
fehlten, gezwungen worden, ihre Aktien zu verkauten. 
Wir haben also dadurch in Deutschland nunmehr Aktien im Nomi- 
nalbetrag von M. 20,.— im Umlauf, Das erschwert den Umsatz, denn 
es gibt zuviel Titres mit den verschiedensten Nominalbeträgen, und 
die entstehenden Kosten sind im Verhältnis zum Werte zu hoch. Eine 
weitere Folge gibt aber noch zu denken: nunmehr ist der Erwerb einer 
Aktie auch dem kleinsten Kapitalisten ermöglicht. Man hat früher mit 
Recht den Standpunkt vertreten, derjenige, der nicht tausend Mark 
aufbringen könne, solle seine Anlage in festverzinslichen Obligationen 
und nicht in der in Ertrags- und Substanzwert schwankenden Aktie 
bewerkstelligen. Wenn in England anders gedacht wurde, so ist das 
mit unseren Verhältnissen nicht vergleichbar. Selbst der Kleinkapitalist 
ist dort infolge einer langen Tradition geübter in der Auswahl seiner 
Anlageobjekte. Es ist zu hoffen, daß durch die technisch notwendige 
Maßnahme in Deutschland nicht die Agiotagelust Kreise ergreift, die ihr 
unbedingt ferngehalten werden müssen. Aus allen diesen Gründen wird 
man bald doch zu einem Umtausch der umlaufenden Kleinaktien in 
eine Urkunde von größerem Nominalwerte greifen müssen. 
Durch die Klarheit, welche die Goldmarkumstellung geschaffen hat, 
ist auch zu hoffen, daß das Ausland sich wieder mehr für deutsche 
Werte interessiert. Es wird allerdings vorher die Schmälerung der 
Vorzugsaktienrechte verlangen. Sie sind nicht mehr zeitgemäß, denn 
eben herrscht keineswegs mehr die einmal vorhanden gewesene Gefahr 
der Überfremdung vor, sondern umgekehrt: die schlechte Rentabilität 
der Wirtschaft, das Mißtrauen gegenüber dem durch Krieg und Infla- 
tion geschwächten Land schrecken ausländische Kapitalisten ab, 
Wenn wir das Interesse des Auslandes wiedergewinnen wollen, 
so müssen wir uns seinen Wünschen auch in unseren Formen anpassen, 
Als solche kommt unter anderem der in England und Amerika schon 
marktgängige Typ der Convertible Bonds in Betracht, Darunter ver- 
steht man festverzinsliche Obligationen, die nach Wahl der Gläubiger 
in Aktien umgewandelt werden können. Dieser Typ bietet dem Kapi- 
talisten den Vorteil, zunächst eine Schuldverpflichtung der Gesellschaft 
darzustellen, für die sie mit ihrem ganzen Vermögen haftet, und die sie 
feststehend verzinst. Dadurch genießt der Besitzer zuerst die Vorteile 
der Gläubigerrechte: gesicherte Kapitalforderung mit feststehendem 
Zinseinkommen, Bessert sich die Lage des schuldnerischen Unterneh- 
mens, so wandelt der Bondsbesitzer die Obligation in eine Aktie um 
und tauscht dann deren Vorteile ein: Beteiligung an einem Unternehmen 
und Dividendenanspruch. Für das Unternehmen aber besteht der Vor-
	        
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