SZ Leopold Merzbach:
Wie der Wert aller Waren, richtet er sich nach Angebot und Nachfrage.
Er ist hoch, weil die Nachfrage das Angebot um ein Bedeutendes.
übersteigt, Die Risikoprämie mußte während der Inflationszeit
nach dem Gefahrenmoment für die Wertverminderung der deutschen
Valuta kalkuliert werden. So erklärt es sich, daß im November 1923,
in dem Augenblick, in dem das Mißtrauen gegen die deutsche Währung
den Höhepunkt erreicht hatte, ein Geldleihwert von 1000 % für einen
einzigen Monat bewilligt werden mußte; selbst für Transaktionen an
der Börse, bei denen die Sicherheit in doppelter Höhe des Leihkapitals
gestellt wurde. Das Gefahrenmoment für die Währung ist nicht mehr
vorhanden. An seine Stelle aber ist ein anderes Risiko getreten: der
Zweifel an der dauernden Bonität des Darlehensnehmers, Auch dieses
Risiko muß bei einer Leihgabe einkalkuliert werden, Dadurch ist die
Situation entstanden, daß kurzfristiges Geld, gedeckt durch zweifelfreies
Depot oder durch erstklassige Bankunterschrift, zu einem relativ
niedrigen Satz erhältlich ist, während langfristige und ungedeckte Darlehen,
wenn überhaupt, nur zu einem hohen Satz erhältlich sind.
Gewiß ist der Geldleihsatz für die Industrie zu hoch. Sie kann unmöglich
in ihren Betrieben eine seiner Höhe entsprechende Rentabilität
erzielen, Andererseits kann aber, solange die geschilderten Gefahren
vorhanden sind, der Geldleihwert nicht sinken, Beschränkt man durch
Gesetz oder Rechtsprechung künstlich die Einbeziehung dieser Risikoprämie,
so wird dem mittleren und kleinen Unternehmer jeder Bankkredit
überhaupt entzogen, Er findet alsdann keinen Darlehensgeber,
der ohne entsprechendes Entgelt das Risiko zu tragen gewillt ist.
Ein Ausgleich der widersprechenden Interessen ist sehr schwer
möglich.
Wenn die Industrie daher Leihkapitalien nur zu einem Entgelt sich
beschaffen kann, das ihre eigene Rentabilität übersteigt, wenn mangelnde
Depositen und reduziertes Eigenkapital der Banken ohnehin
Darlehens- und Akzeptkreditgabe nur in reduziertem Maßstabe zulassen,
so ist die Wirtschaft um so mehr auf die direkte Beteiligung des
Spargeldes an der Körperschaft angewiesen. Damit der Wille hierzu
wachse, müssen die Verwaltungen wieder mehr Rücksicht auf den einzelnen
Aktionär nehmen, die Öffentlichkeit minder souverän behandeln,
als das bisher geschehen ist,
Um die Beteiligungslust zu heben, muß ferner ein Abbau des mehrstimmigen
Vorzugsaktiensystems unbedingt erfolgen. Wenn die Gesetzgebung
darin nicht eingreift. sollten die Banken einschreiten. Sie
müßten die Übernahme neuer Aktien davon abhängig machen, daß die
den Vorzugsaktionären zustehenden Stimmrechte in ein gerechtes Verhältnis
zu denen der Stammaktionäre gestellt werden.